Bioenergie in Wärmenetzen

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    Bioenergie in Wärmenetzen. Zu diesem Thema fand am 30. November auf dem Biomassehof in Borlinghausen eine Exkursionstagung statt. Die EnergieAgentur.NRW sowie der Maschinering Höxter mit dem Projekt LANDbrauchtWÄRME durften etwa 40 Interessierte aus dem Kreis Höxter und Nachbarkreisen begrüßen. Maschinenring-Geschäftsführer Norbert Hofnagel nannte einleitend die niedrigen Öl- und Gaspreise als momentane Schwierigkeit für die heimische Bioenergie. Er forderte alle Exkursionsteilnehmer auf, sich davon nicht entmutigen zu lassen.

    Am Beispiel des Nahwärmeverbunds Ikenhausen (Inbetriebnahme 2014) berichtete der Anlagenbetreiber Frank Scheele von seinen Erfahrungen mit Bioenergie in Wärmenetzen. Der dortige zentrale Biomasseheizkessel mit 150 kW Wärmeleistung wird mittels Hackschnitzeln aus heimischen Gehölzen befeuert. „Die Idee entstand im stillen Kämmerlein“, sagte Frank Scheele. „Anfangs gab es 24 interessierte Haushalte im Ort, wovon am Ende noch 9 Haushalte übrig blieben, die heute am Netz angeschlossen sind“, so Scheele. Über eine 360 m lange Wärmeleitung werden die sechs Häuser mit Wärme beliefert. „Am meisten Schwierigkeiten in der Planungsphase haben uns die Straßenüberquerungen zu den Abnehmern bereitet, wogegen die Finanzierung schnell und einfach abgehandelt wurde“, so der Anlagenbetreiber. Die Frage, ob er so ein Projekt nochmal in die Hand nehmen würde, bejahte er entschlossen. „Dank der Hilfe vom Biomassehof und der verschiedenen Helfern konnten wir viele Bauelemente in Eigenleistung bewältigen“, schloss Frank Scheele.

    Neben der Eigenleistung stehen einem Wärmenetzbetreiber zusätzliche Fördermittel für die Finanzierung zur Verfügung. „Für Nahwärmenetze sind die KfW-Bank und Progres.NRW interessant“, so die Referentin Gianna Lara Bergmann von der EnergieAgentur.NRW. Von Holzheizungen über Fernwärmeleitungen bis zu Wärmeübergabestationen gibt es viele Förderprogramme zur Auswahl. Für dauerhaft angebotene Förderprogramme bietet die Internetseite www.foerder-navi.de eine gute Übersicht. „Zu beachten ist allerdings, dass vor der Fördermittelbewilligung kein Spartenstich für den Bau gesetzt werden darf, weil sonst die Förderung wegen vorzeitigen Maßnahmenbeginn verfällt“, betonte Frau Bergmann.

    Im ersten Schritt ist es aber von höchster Priorität einen Initiator zum Bau solch eines Wärmenetzes zu haben. „Es braucht jemand, der seinen Hintern aus dem Sessel bekommt und in Vorleistung geht“, leitet Frank Spenge von der Energieagentur Lippe GmbH ein. Er stellte den Teilnehmern die rechtlichen Aspekte bei der Fernwärmeversorgung vor. Es gibt unterschiedliche Betreibermodelle: private, privatwirtschaftliche oder öffentliche. Für was man sich schlussendlich entscheidet, hängt von den gegebenen Strukturen ab.

    Zum Schluss der Vorträge berichteten Christian Kölsch von Enerpipe und Christoph Schade von Schräder Abgastechnologie über ihre technischen Komponenten für ein Wärmenetz. Die Firma Enerpipe wurde 2007 gegründet und vertreibt seither Wärmeleitungen für kleinere Wärmenetze. Die Lebensdauer der Leitungen wird durch zwei maßgebende Faktoren bestimmt: Temperatur und Druck. „Im Vorfeld sollte der Wärmebedarf der letzten 3-5 Jahre ermittelt werden, um die Leitung richtig zu dimensionieren. Zudem muss drauf geachtet werden, dass die Wassertemperatur in den Leitungen nicht mehr als 80°C beträgt, um das Material nicht übermäßig zu beanspruchen und die Leitungsverluste zu minimieren“, so Herr Kölsch. Neben der richtigen Wärmeleitung muss bei Biomasseheizkesseln auch die passende Abgastechnik eingebaut werden. Seit dem 01. Januar 2015 gelten laut der Stufe 1 der 1. BImSchV neue Grenzwerte (Staub und Kohlenmonoxid) für Holzkessel. Dafür bietet die Firma Schräder aus Kamen passende Feinstaubminderungstechnik an. „Der Oekotube Inside dient für Holzfeuerungen bis 50 kW als elektronischer Feinstaubabscheider und wird einfach an den Schornstein angebaut“, erklärte Christoph Schade. Zudem ist die Abgastechnik BAFA förderfähig.

    Nach den Vorträgen konnten sich interessierte Teilnehmer im Nachbarort das Nahwärmenetz Ikenhausen anschauen. Hier empfing der Betreiber Peter Doludda die Teilnehmer. Eingangs erklärte er den Heizkessel der Firma Fröling mit dem 6.600 Liter Pufferspeicher. „Der jährliche Hackschnitzelverbrauch liegt bei etwa 65 Tonnen, wodurch wir etwa 25.000 Liter Heizöl substituieren“, freute sich Herr Doludda. „Das kleine Heizgebäude in mitten der Einfamilienhäuser fällt kaum auf“, merkte einer der Teilnehmer an.

    Mit der Exkursion am Nahwärmenetz Ikenhausen endete unsere Veranstaltung „Bioenergie in Wärmenetzen“. Die Teilnehmer waren sichtlich an den verschiedenen Themen interessiert und führten angeregte Diskussionen. „Wir hoffen, dass das positive Bioenergie-Thema trotz der schlechten Rahmenbedingungen durch Öl- und Gaspreise weitergetragen wird. Durch solche Veranstaltungen erhoffen wir uns neue und gestärkte Multiplikatoren“, so Micha Loewen, Projektkoordinator von LANDbrauchtWÄRME.