• Nach dem Seminar ‚Fremd AK im landwirtschaftlichen Betrieb‘ rege im Gespräch: Ines Rohr vom Landwirtschaftsamt, Organisator Rainer Müller vom MR Landkreis Ansbach e.V., Jürgen Eisen vom BBV und Dr. Hans Habermeyer vom KBM

    Landwirte als Arbeitgeber

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    Wenn Betriebe größer werden, wird auch die Arbeit mehr. Doch eine Fremd-Arbeitskraft anzustellen bedarf vieler Überlegungen. Neben den emotionalen Gesichtspunkten gilt es vor allem die Wirtschaftlichkeit des Betriebs zu prüfen. Interessante Einblicke fanden die Teilnehmer bei einem Seminar des MR Landkreis Ansbach e.V..

    „Landwirtsfamilien kommen zu uns in die MR Verbundberatung, weil ihnen die Arbeit über den Kopf wächst oder weil sie betriebliches Wachstum planen. In beiden Fällen kommt man nicht umhin, sich intensiv mit betriebswirtschaftlichen Dingen auseinander zu setzen“, sagt Dr. Johann Habermeyer vom Kuratorium Bayerischer Maschinen- und Betriebshilfsringe e.V., Neuburg. Arbeitsentlastung und Kostenoptimierung greifen ineinander. Bestehen und sich weiter entwickeln könne langfristig nur der Betrieb, der seine Kosten im Griff habe.

    Reserven und Möglichkeiten prüfen

    Ganz generell gilt es, den Betrieb stetig zu optimieren. Das können in manchen Fällen die Anschaffung neuer Techniken, das Auslagern von Arbeiten wie des Fütterns, Kooperationen, regelmäßige Aushilfen, die Anstellung von Arbeitskräften sowie die Aufnahme eines Zuerwerbs und Umorganisation der Arbeitserledigung in der Außenwirtschaft sein.

    „Allein um 200 €/ha höhere Kosten bei 70 Hektar Ackerbau auszugleichen, bedarf es einer Steigerung in der Milcherzeugung von 64 auf 86 Milchkühe plus 10 Hektar mehr Futterfläche. Auf die Arbeitswirtschaft wirkt sich das mit über 1.000 Stunden mehr Arbeit aus“, rechnet Dr. Habermeyer vor. Sinnvoll ist es deshalb in allen Bereichen Reserven aufzudecken mit dem Ziel mit weniger Arbeit gleich viel zu verdienen.

    Was kostet eine Vollzeit-Fremd-AK?

    Nur wenn Arbeitsproduktivität und Einkommen stimmen, ist eine Fremd-AK finanzierbar. Bisher wirtschaften Familienbetriebe mit hohem Arbeitseinsatz und meist nichtentlohnten Arbeitskapazitäten. Gewinn geht meist vor Arbeitseffizienz, weil nicht jede Stunde bezahlt werden muss. Bei Mitarbeitern ist dies anders. Sie erhalten regelmäßig ihren Lohn – das gehört zu den Pflichten des Arbeitgebers.

    Bei einem Arbeitslohn von 13 €/Akh beläuft sich das Jahresgehalt eines in Vollzeit beschäftigten Arbeitnehmers auf 27.150 €, wovon diesem nach Abzügen gut 18.500 € bleiben. Der Arbeitgeber hat bei sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen rund 20 % Nebenkosten zum Bruttolohn zu tragen. „Im Beispiel beläuft sich dies auf 32.546 € im Jahr. Bei 15 € Stundenlohn brutto ergibt sich ein Aufwand von insgesamt 37.544 €“, erläutert Ines Rohr, Betriebswirtschaftlerin am AELF Ansbach. Die Annahmen entsprechen der tariflichen Grundvergütung in der Landwirtschaft laut Gewerkschaft IG BauenAgrarUmwelt. Diese liegen bei einer angelernte Kraft bei 9,62 €/Stunde, bei einem Facharbeiter bei 13,49 €/Stunde und bei einem Meister bei 15,51 €/Stunde.

    Um langfristig Mitarbeiter zu motivieren und am Betrieb zu halten, werde man mit Löhnen deutlich über dem Mindestlohn kalkulieren müssen. „Die Ausgaben für Personal sind gewinnmindernd, was sich in der fälligen Einkommenssteuer auswirkt“, erklärt Ines Rohr weiter. Bei einem zu versteuernden Einkommen von 85.000 € sinkt die Einkommenssteuer bei einem Personalaufwand von 32.550 €/Jahr um gut 12.000 €. Demnach kostet der Mitarbeiter letztlich 20.550 € im Jahr.

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