Interview mit Gunter Beger

Gunter Beger ist Abteilungsleiter im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und will die gemeinsame Maschinennutzung von afrikanischen Landwirten vorantreiben.

Auf der Bundestagung der Maschinenringe im vergangenen Juni hat er einen Vortrag über die Entwicklung von afrikanischen Landwirten gehalten.

Wir haben nachgefragt, welche Rolle die Maschinenringe dabei spielen können.

  • Was macht erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit aus?

    Erfolgreiche Entwicklungspolitik stellt den Menschen mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt – und nicht abstrakte Konzepte – und schafft so konkrete Lebensperspektiven vor Ort. Es müssen viele Partner mit ihren jeweiligen Stärken und Ressourcen mitarbeiten. Im Idealfall unterstützen sie den Wandel hin zu einer nachhaltigen Lebensund Wirtschaftsweise, sowohl bei uns in den Industrieländern als auch in Entwicklungs- und Schwellenländern. Ein Beispiel dafür ist der faire Handel und Konsum.

  • In welcher Rolle sehen Sie dabei die Maschinenringe?

    Theoretisch können genug Nahrungsmittel produziert werden, um die Ernährung der heutigen Weltbevölkerung sicherzustellen. Trotzdem leiden etwa 800 Millionen Menschen an Hunger. Und der Druck nimmt aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung zu.

    Um die steigende Nachfrage nach Nahrungsmitteln zu decken, muss die Agrarproduktion bis 2050 um 60 Prozent steigen. Eine nachhaltige Produktivitätssteigerung im ländlichen Raum ist ohne Mechanisierung nur sehr begrenzt möglich. Mechanisierung ist für die Mehrzahl der Bäuerinnen und Bauern in Entwicklungs- und Schwellenländern allerdings schwer oder gar nicht finanzierbar.
    Eine Lösung liegt in der gemeinschaftlichen Nutzung von Landmaschinen. Zusätzliche Trainings und der Service von Spezialisten gewährleisten die Instandhaltung und den professionellen Gebrauch der Maschinen.

    Die deutschen Maschinenringe haben in fast 60 Jahren viel Erfahrung beim Aufbau solcher Modelle gesammelt und sich dabei einen exzellenten Ruf erarbeitet. Diesen Erfahrungsschatz nutzen wir bereits im Rahmen unserer Sonderinitiative „EINE WELT ohne Hunger“.
    Unser Leuchtturmvorhaben „Grüne Innovationszentren“ setzt auf die Verbreitung von Wissen und landwirtschaftlichen Innovationen. Bislang haben wir 14 Grüne Innovationszentren in Afrika und Indien aufgebaut. Eine an die Bedingungen vor Ort angepasste Mechanisierung ist für alle Zentren eine wichtige Aufgabe. Die Maschinenringe sind dabei ein wichtiger Partner.

  • Ist Sharing Economy Zukunftsmodell für Entwicklungsländer?

    Internationale Organisationen wie die Welternährungsorganisation (FAO) und andere bestätigen, dass dort, wo sich Bäuerinnen und Bauern in wirtschaftlich tragfähigen und politisch unabhängigen Organisationen zusammenschließen, Ressourcen effizient genutzt werden.

    Meist ist dort auch die Ernährungssituation besser. Es gibt aber kein Allheilmittel, das unverändert auf alle Entwicklungsländer übertragbar ist. Wir müssen immer individuelle Ansätze mit den Partnern erarbeiten und dabei die regionalen und sozio-ökonomischen Besonderheiten berücksichtigen.

  • Welches Engagement wünschen Sie sich?

    Die Maschinenring-Landwirte könnten mit ihrem praktischen Wissen vor Ort am Aufbau nachhaltiger überbetrieblicher Mechanisierungskonzepte mitwirken.
    Dafür sind neben der fachlichen Expertise auch sprachliche und interkulturelle Kenntnisse wichtig.

    Gemeinsam mit dem Bundesverband der Maschinenringe bauen wir zurzeit eine Anlaufstelle auf, an die sich alle Landwirte und Fachleute aus den Maschinenringen wenden können, die sich in Projekte der Entwicklungszusammenarbeit einbringen möchten.

  • In welchen Projekten sehen Sie aktuell den größten Bedarf?

    Die Vereinten Nationen haben zwölf Ebenen der landwirtschaftlichen Mechanisierung definiert: Der höchste Grad kann in den USA und den westeuropäischen Ländern gefunden werden.

    Im Gegensatz dazu ist das Niveau in vielen Entwicklungsländern immer noch gering, insbesondere in Subsahara- Afrika.

    Gutes Potenzial für Mechanisierungsentwicklung sehe ich insbesondere im östlichen und südlichen Afrika, wo in einigen Ländern ungenutzte Produktionsreserven vorhanden sind und bereits Erfahrungen mit Mechanisierung vorliegen. Hier wurde bereits in den 1960er/70er Jahren investiert, allerdings stagniert die Entwicklung seitdem oder ist sogar rückläufig, da es vielerorts an notwendigen Kapazitäten zur Instandhaltung fehlt. Dies muss bei zukünftigen Projekten besser berücksichtigt werden. Die Privatwirtschaft ist in dieser Region zum Engagement bereit. Das ist sehr wichtig, weil staatliche Institutionen allein nicht die Lösung sind.