Technik-Konzepte für Afrika

Wie kann man das Konzept der Maschinenringe exportieren? Durch Präsenz und Beratung vor Ort. Wir haben mir zwei Maschinenring- Geschäftsführern über ihr Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit gesprochen.

Am Anfang stand der Praktikant

Manchmal entwickelt sich dieses Engagement eher zufällig, wie bei Andreas Hastedt, Geschäftsführer des MR Harburg. 

2012 absolvierte ein junger Mann aus Mali ein Praktikum beim Maschinenring. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hatte dieses Praktikum vermittelt. Dabei geht es nicht nur um Wissensvermittlung, auch soziale Kontakte spielen eine große Rolle. Mit dem jungen Malier, der während seiner Zeit in Deutschland bei Andreas Hastedt wohnte, entwickelte sich eine Freundschaft. „Für mich war es total spannend, einen tieferen Einblick in eine ganz andere Kultur und Lebenswelt zu bekommen. Eigentlich war das nie mein Ziel, ich bin da mehr so rein geglitten“, erklärt der Vater von fünf Kindern.
Er hat zunächst über Veranstaltungen der GIZ in Deutschland angefangen, sich mehr und mehr mit dem Thema Entwicklungszusammenarbeit auseinanderzusetzen. Als sich sein Sohn 2015 entschied, für ein Jahr nach Südafrika zu gehen und Hastedt ihn dort besuchte, ließ ihn das Thema nicht mehr los.

Anfang 2016 folgte die erste Afrikareise als Vertreter der Maschinenringe. Andreas Hastedt und Jens Pfeil, Geschäftsführer des MR Velke Schöppenstedt, besuchten gemeinsam mit Dr. Thomas Wilde von der Andreas Hermes Akademie bäuerliche Organisationen in Kenia, Uganda, Tansania und Sambia.

Bild links: Jens Pfeil und Andreas Hastedt (rechts) haben 2016 das Maschinenring-Modell interessierten Landwirten in Afrika vorgestellt. 

Viele Entwicklungshelfer gehen für mehrere Jahre ins Ausland. Das ist für Hastedt momentan nicht vorstellbar. „Im Moment hat für mich mein Job als Maschinenring-Geschäftsführer Priorität. Wenn ich noch ein paar Jahre älter bin, könnte ich mir aber durchaus vorstellen, auch mal länger ins Ausland zu gehen“, erklärt er. In der Entwicklungszusammenarbeit ist das kein Problem. Denn vom punktuellen Wissenstransfer im Rahmen eines Kongresses, über die ein paar Wochen oder Monate dauernde Mitarbeit an einem Projekt, bis zum mehrjährigen Auslandsaufenthalt sind viele Modelle in der Praxis üblich.

Startpunkt: Ostafrika

Ganz anders ging die Geschichte bei Jens Pfeil. Bei ihm kam die Entwicklungszusammenarbeit vor dem Maschinenring-Job. Jens Pfeil ist gelernter Landwirt. Nach Technikerschule und Meisterprüfung wollte er unbedingt ins Ausland. Seine Frau, die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin ist, auch. Sie wollte nach Südamerika. Geeinigt haben sie sich dann auf Ostafrika. Tansania, die Usambara Berge, für acht Jahre. In einer Einrichtung, zu der ein Krankenhaus, ein Internat und eine Blindenschule gehören, sollte Pfeil durch den Aufbau der Landwirtschaft Lebensmittel für die Einrichtung produzieren und gleichzeitig eine landwirtschaftliche Ausbildungsstätte aufbauen.

Er entwickelte ein Ausbildungskonzept, das schulische und praktische Elemente miteinander verbindet. Jeder Schüler konnte auf 100 qm anwenden, was in der Schule vermittelt wurde. Ungewohnt für unsere hochspezialisierte Landwirtschaft ist dabei die Breite des Spektrums, die in Afrika üblich ist. So gehörten zu der Einrichtung eine Baumschule, Gemüsebau, Milchviehhaltung und sogar eine eigene Landmaschinenwerkstatt. Aber auch privat änderte sich in der Zeit einiges: „Ich bin mit meiner Frau nach Afrika gereist und wir sind mit drei Kindern zurückgekommen“, erzählt Pfeil.

Die Kinder waren dann auch der Grund, Afrika wieder zu verlassen. „Wie der Name sagt, wird Landwirtschaft eben auf dem Land gemacht und da sieht es in Afrika mit Schulen eher schlecht aus. Internate gibt es eher in den größeren Städten, aber dann sieht man die Kinder kaum noch“, berichtet Pfeil. Und weiter: „Wir haben dann beschlossen, wieder nach Europa zurückzukehren, aber noch nicht direkt nach Deutschland. Ich habe erst noch in England meinen Master in Land Ressource Management gemacht.“ Das war Anfang der 1990er Jahre.

„Ich war dann erst mal auf Jobsuche und mitten in der Rübenkampagne fragte dann der Maschinenring an. Der vorige Geschäftsführer war ausgeschieden und sie suchten jemanden, der morgen anfangen kann. Das hab ich dann gemacht, vor mittlerweile 21 Jahren.“ Aber irgendwie zieht es ihn immer noch in die Ferne. „Ich könnte mir durchaus vorstellen, noch einmal nach Afrika zu gehen, wenn die Kinder durch Schule und Studium sind“, so Pfeil. Dann aber wieder für länger. „Man braucht einfach eine gewisse Zeit, um das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, sonst bewegt man nichts.

Eigentlich genau wie beim Maschinenring. Ohne das Vertrauen der Landwirte geht es nicht.“