Was bewegt die Mitglieder der Maschinenringe? Der Bundesverband der Maschinenringe wollte es genauer wissen und hat im November 2017 bei den Besuchern am Agritechnica-Stand nachgefragt.

Bei der Befragung stand eines besonders im Mittelpunkt: Wie stehen Landwirte zu den Herausforderungen und Chancen, die die Digitalisierung der Landwirtschaft mit sich bringt? Im Durchschnitt 40 Minuten lang tauchten die Interviewer mit den Maschinenring-Mitgliedern tief in Herausforderungen, Erfahrungen, aber auch Ängste ein, um möglichst genau zu erfahren, welche Bedürfnisse die Landwirte haben und welche Unterstützung sie sich vom Maschinenring bei der Digitalisierung der Landwirtschaft erwarten. Statt mit starren Fragebögen und vorgefertigten Antwortmöglichkeiten arbeiteten die Interviewer mit der Design Thinking Methode. Diese kommt ursprünglich aus dem Industrie Design und geht von den Bedürfnissen der Menschen aus, um auf dieser Basis Produkte und Dienstleitungen zu entwickeln.

"Die Stimmung unter den Mitgliedern war generell eher optimistisch und offen uns gegenüber. Viele sehen die Digitalisierung als notwendiges Übel an und wissen, dass sie sich nicht davor verschließen können. Die Umsetzung ist bei vielen jedoch nur halbherzig, sodass Effizienzschwellen nicht erreicht werden und sie den vollen Mehrwert nicht sehen. Andere wenige wiederum sind bereits sehr weit digital vorangeschritten, weil sie die Zukunft der Landwirtschaft in der IT/Software-Ecke sehen und ihnen die Umsetzung und Entwicklung davon Spaß macht.

Ein weiteres großes Themenfeld sind die Unterschiede zwischen Alt und Jung. Die jüngere Generation bietet Inspiration und Impulse für Neuerungen am Hof, doch fühlt sich oft gehemmt, diese umzusetzen. In der Digitalisierung sehen sie Chancen zur Steigerung der Lebensqualität am Hof. Ältere Landwirte scheuen sich vor digitalen Tools aus Angst, die Kontrolle auf ihrem Hof zu verlieren (sinkendes Selbstbewusstsein). Über die Generationen hinweg sehen doch alle die Beziehung zu Natur und Tier und die Wichtigkeit der Gemeinschaft im Vordergrund der Arbeit des Landwirts auch im digitalen Zeitalter.“

Natalie Fey, Interviewerin Agritechnica

Werte der Gemeinschaft

Immer wenn sich Menschen zu einer Gemeinschaft zusammenschließen, spielen gemeinsame Werte eine große Rolle. Deshalb waren auch diese ein Thema bei den Interviews. Neben der Leidenschaft für den Beruf und Ehrlichkeit, waren Offenheit und der Mut neue Dinge anzupacken den Landwirten sehr wichtig.

„Stillstand ist Rückschritt – nur wer den nächsten Schritt macht,
kann einen voraus sein.“

Ein Landwirt

Was verbinden Landwirte mit Digitalisierung

Viele Landwirte befürchten, durch die immer weiterreichende Digitalisierung einen Kontrollverlust, vor allem die Älteren. Viele Landwirte haben das Gefühl, dass sie sich so auch von dem weiter entfernen, was sie als das begreifen, weshalb sie den Beruf gewählt haben.

Das ist ein Trend, der schon seit einigen Jahren durch den immer weiter steigenden Dokumentationsaufwand verstärkt auftritt. Viele Landwirte sehen aber auch die Möglichkeit, durch digitale Lösungen Zeit zu gewinnen. Frustrierend ist für viele Landwirte, dass die bereits bestehenden digitalen Lösungen in der Regel Insellösungen sind und nicht miteinander vernetzt sind. Hier sehen Sie eine Aufgabe für den Maschinenring der Zukunft.

Der Landwirt der Zukunft, da waren sich fast alle Befragten einig, braucht Empathie, um den Dialog mit den Verbrauchern zu führen und ihre Anforderungen und Wünsche zu verstehen, aber auch unternehmerisches und IT-Verständnis. Denn in der intelligenten Nutzung von Daten sehen die Landwirte ihre gewinnbringendsten Möglichkeiten zur Ertragssteigerung. Vor allem die junge Generation sieht die Digitalisierung auch als Chance für mehr Familienzeit.