Biogas – Systemstabilitätsverordnung

    Derzeit werden rund 21.000 Betreiber von Windenergieanlagen, Biomasse- und Biogasanlagen, KWK-Anlagen und Wasserkraftanlagen von ihrem örtlichen Netzbetreiber aufgefordert, die Frequenzschutzeinstellungen ihrer Anlagen entsprechend den Vorgaben der Novelle zur Systemstabilitätsverordnung (SysStabV), die am 14.03.2015 in Kraft getreten ist, nachzurüsten.

    Was ist zu tun?

    1. Planen Sie die Frist ein: Mit der Aufforderung beginnt eine 12-monatige Frist.
    2. Nehmen Sie Kontakt zu Ihrem Anlagenhersteller auf.
    3. Prüfen Sie, ob für Ihre Anlage eine Ausnahmeregelung gilt.
    4. Verbinden Sie die Nachrüstung mit Wartungsarbeiten.
    5. Halten Sie die Frist ein! Ihre Vergütung kann sonst reduziert werden.

    Was bedeutet die Systemstabilitätsverordnung?

    Zunächst wurden Photovoltaikanlagen umgerüstet. Jetzt werden u. a. auch die Biogasanlagenbetreiber aufgefordert, die technische Nachrüstung ihrer Anlage vorzunehmen.

    • Was ist der Hintergrund?

      In Deutschland beträgt die Netzfrequenz in den Stromnetzen im Normalzustand 50 Hertz (Hz). Diese Frequenz ist ein wichtiger Indikator für die Systemstabilität. Sie zeigt an, ob zu jedem Zeitpunkt die Menge an Strom im Netz zur Verfügung steht, die gerade nachgefragt wird.

      Liegt der Wert über den üblichen 50 Hertz, ist zu viel Strom im Netz, liegt er darunter, ist die Einspeisemenge zu gering. Geringe Schwankungen der Netzfrequenz werden von den Netzbetreibern problemlos beherrscht. Weicht die Frequenz allerdings erheblich von der Normalfrequenz 50 Hz ab, kann dies zu einer Gefährdung der Netzstabilität führen.

    • Was muss nachgerüstet werden?

      Sinkt zum Beispiel die Frequenz auf 49,5 Hz, schalten sich die meisten Erzeugungsanlagen gleichzeitig ab - sogenanntes 49,5-Hz-Problem. Infolgedessen kann es zu einem großflächigen Ausfall des Stromnetzes kommen. Um diesen Blackout zukünftig zu verhindern, müssen die erneuerbaren Energieanlagen so nachgerüstet werden, dass sie sich nicht mehr zeitgleich, sondern in einem gestuften Verfahren vom Netz getrennt werden. Um dies gewährleisten zu können, ist gemäß SysStabV eine entsprechende Nachrüstung der Frequenzschutzeinrichtungen erforderlich.

      Aus diesem Grund wurden zunächst rund 300.000 Photovoltaikanlagen nachgerüstet, um das 50,2-Hertz-Problem bei Überfrequenz zu lösen. Jetzt muss auch das 49.5-Hertz-Problem bei Unterfrequenz durch die Nachrüstung der Windenergie-, Biomasse-, Kraft-Wärme-Kopplungs- und Wasserkraftanlagen angegangen werden.

    • Achtung: Fristen beachten!

      Die Anlagenbetreiber sind gesetzlich zur Mitwirkung verpflichtet. Kommen Sie dieser Mitwirkungspflicht nicht fristgerecht nach, wird ihre Vergütung gemäß EEG auf null reduziert.

    Welche Biogasanlagen sind hiervon betroffen?

    Biogasanlagen, die eine installierte elektrische Leistung größer 100 kW aufweisen und nach dem 31. Dezember 1999 in Betrieb genommen wurden, müssen die Nachrüstung umsetzen.

    • 6 Wochen Frist

      Nach Zugang der Nachrüstaufforderung muss der Anlagenbetreiber dem Verteilnetzbetreiber innerhalb von sechs Wochen eine Zugangsbestätigung zusenden. Gleichzeitig startet mit Eingang der Nachrüstaufforderung die zwölfmonatige Frist für die Umsetzung der Nachrüstung.

    • DIN-Norm beachten

      Der Anlagenbetreiber ist dafür verantwortlich, dass die Nachrüstung durch eine Fachkraft gemäß DIN VDE 0105-100:2009-10 Abschnitt 3.2.3 durchgeführt wird. Der Nachweis der vollzogenen Umrüstung muss dem Verteilnetzbetreiber schriftlich übermittelt werden.

    • Ausnahmen

      Unter bestimmten Voraussetzungen können Anlagen ganz oder teilweise von der Nachrüstpflicht ausgenommen werden. Für die Inanspruchnahme des Ausnahmebegehrens besteht mit Erhalt der Nachrüstaufforderung eine neunmonatige Beantragungsfrist. Genaue Details finden sie in der § 15 Systemstabilitätsverordnung:

      Systemstabilitätsverordnung

    • Kosten

      Die Kosten für den Umbau muss der Anlagenbetreiber gemäß SysStabV bis zu einem Eigenanteil von 7,50 Euro je Kilowatt der installierten Leistung selber tragen (§ 21 SysStabV). Darüber hinaus entstehende Kosten können dem Anlagenbetreiber zu 75 % durch den Übertragungsnetzbetreiber erstattet werden. Die erstatteten Kosten werden von den Übertragungsnetzbetreibern auf die Netzentgelte umgelegt (§ 21 Abs. 1 Satz 1 SysStabV).

    Empfehlung zur Vorgehensweise

    Sobald Sie die Aufforderung zur Nachrüstung von Ihrem zuständigen Netzbetreiber erhalten haben, beginnt die 12-monatige Frist. Aus diesem Grund empfehlen wir Ihnen, frühzeitig mit Ihrem Anlagenhersteller Kontakt aufzunehmen, um die Nachrüstung eventuell mit bereits anstehenden Wartungsarbeiten zu verbinden. Dies kann Kosten und Zeit sparen.

    Eine fristgerechte Nachrüstung ist auf jeden Fall geboten. Denn für jeden Kalendermonat, den der Anlagenbetreiber ganz oder teilweise den Anforderungen der Systemstabilitätsverordnung nach der gesetzten Frist nicht nachkommt, verringert sich gemäß § 100 Abs. 4 EEG 2014 die EEG-Vergütung oder die Marktprämie auf null.

    Weiterführende Links:

    Die Systemstabilitätsverordnung

    Weitere Informationen zum 49,5-Hertz-Problem