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22. September 202622.09.26

Bayer beschleunigt Maiszüchtung

Maschinenringe Deutschland GmbH
weniger als eine Minute Lesezeit

Trockenheit, Hitze und stärkere Wetterextreme stellen den Maisanbau in Deutschland vor große Herausforderungen. Bayer Crop Science setzt deshalb auf moderne Züchtungsverfahren, digitale Technologien und neue Sorten, um Landwirten stabile Erträge und hochwertige Qualitäten zu ermöglichen. Auf der Züchtungsstation im nordrhein-westfälischen Borken stellte das Unternehmen seine aktuellen Entwicklungen vor.

Die Züchtungsstation in Borken Foto: Bayer Crop Science

Die Anforderungen an den Maisanbau wachsen. Neben dem Klimawandel erhöhen auch Krankheiten, Schädlinge und veränderte Marktanforderungen den Druck auf die Betriebe. Gleichzeitig bleibt Mais für viele landwirtschaftliche Unternehmen eine zentrale Kulturpflanze, sei es als Grundfutter für Milchvieh, als Substrat für Biogasanlagen oder für die Körnermaisproduktion. Vor diesem Hintergrund investiert Bayer weltweit in die Weiterentwicklung seiner Maiszüchtung.

Im Mittelpunkt steht dabei eine KI-gestützte Präzisionszüchtung. Sie soll den Zuchtfortschritt deutlich beschleunigen und neue Sorten schneller zur Marktreife bringen. Nach Angaben des Unternehmens werden dabei große Mengen genetischer und pflanzenbaulicher Daten miteinander verknüpft, um die erfolgversprechendsten Linien frühzeitig auszuwählen.

Landwirtschaft braucht robuste Sorten

Wie wichtig leistungsfähige Maissorten geworden sind, zeigt die Sicht aus der Praxis. Landwirt und Maschinenring Mitglied Stefan Vogelsang aus Rheda-Wiedenbrück brachte die aktuelle Situation auf den Punkt: „Unser Betrieb zeigt: Mehr Milchleistung im Stall verlangt maximale Futterqualität und Energiedichte, während der Klimawandel und schwindende Pflanzenschutzmittel den Druck auf dem Feld erhöhen.“ Der Mais müsse heute deutlich mehr leisten als noch vor zehn Jahren. „Genau dafür brauchen wir ein gutes Zusammenspiel aus Züchtung, Pflanzenschutz und Anbautechnik“, betonte Vogelsang.

Auch die Beratung sieht die Wasserversorgung zunehmend als begrenzenden Faktor. Tobias Schulze Bisping von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen erklärte: „Wasser steuert den Ertrag.“ Entscheidend sei es deshalb, die Bestandesdichte an die standörtlichen Wasserverhältnisse anzupassen. Bei knapper Wasserversorgung könne eine angepasste Pflanzenzahl „wie eine Ertragsversicherung“ wirken.

Globale Züchtung

Bayer betreibt ein weltweit vernetztes Maiszuchtprogramm. Ziel ist es, genetische Eigenschaften aus unterschiedlichen Anbauregionen zu nutzen und dadurch Sorten zu entwickeln, die besser mit Trockenheit, Hitze oder anderen Stressfaktoren zurechtkommen. Die Züchtungsstation in Borken ist seit 1994 Teil dieses Netzwerks und arbeitet neben Mais auch an Raps und Hybridweizen.

Eine besondere Rolle spielen dabei sogenannte Shortcorn-Hybriden. Diese Maispflanzen bleiben kompakter, gelten als standfester und sollen eine bessere Verdaulichkeit bieten. Nach Angaben von Bayer zeigen sie bei Sturmereignissen deutlich weniger Lager als herkömmliche Sorten. In einigen Ländern werden solche Hybriden bereits angebaut.

KI hilft bei der Sortenauswahl

Die moderne Präzisionszüchtung basiert auf der genomischen Selektion. Während früher vor allem sichtbare Eigenschaften im Feld bewertet wurden, können heute genetische Informationen frühzeitig analysiert werden. So lässt sich das Potenzial einer Linie bereits vor dem Anbau abschätzen.

Zu den wichtigsten Kriterien gehören Ertrag, Stärkegehalt, Verdaulichkeit, Krankheitsresistenzen und weitere agronomische Eigenschaften. Bayer fasst diese Merkmale in einem wirtschaftlichen Gesamtindex zusammen, der sich am möglichen Deckungsbeitrag pro Hektar orientiert. Das Ziel ist klar: Sorten sollen den wirtschaftlichen Nutzen für die Betriebe verbessern.

Einen weiteren Schritt stellt die sogenannte Seed-Chipping-Technologie dar. Dabei wird aus einzelnen Saatkörnern eine winzige DNA-Probe entnommen, ohne die Keimfähigkeit zu beeinträchtigen. Tausende Kandidaten können dadurch bereits vor der Aussaat genetisch bewertet werden. Nur die vielversprechendsten Pflanzen gelangen anschließend in die Feldprüfung.

Mehr Fortschritt in kürzerer Zeit

Durch die Kombination aus Datenanalyse, Genetik und modernen Gewächshausverfahren will Bayer die Geschwindigkeit der Züchtung massiv erhöhen. Während ein Zuchtzyklus früher mehrere Jahre dauern konnte, sind heute mehrere Zuchtzyklen pro Jahr möglich. Nach Unternehmensangaben lässt sich der jährliche Zuchtfortschritt dadurch um das Drei- bis Vierfache steigern.

Die Ergebnisse werden anschließend in umfangreichen Feldversuchen überprüft. Dabei kommen auch Drohnen und Sensorsysteme zum Einsatz, die zusätzliche Daten für die Bewertung liefern. So sollen neue Sorten nicht nur im Labor, sondern vor allem unter praktischen Bedingungen überzeugen.

Fokus auf Ertragsstabilität

Angesichts des trockenen Jahres 2026 hebt Bayer besonders die Bedeutung ertragsstabiler Sorten hervor. Nach Ansicht des Unternehmens entscheidet sich gerade in Trockenjahren, welche Genetik ihr Potenzial auch unter schwierigen Bedingungen ausschöpfen kann. Deshalb werden Eigenschaften wie Stresstoleranz, Ertragsstabilität und Qualität gezielt gefördert.

Das DEKALB-Portfolio umfasst Sorten für Silomais, Körnermais und die Biogasnutzung. Neue Sorten sollen hohe Erträge mit gutem Stärkegehalt, hoher Verdaulichkeit und einer sicheren Biogasausbeute verbinden. Dennoch betont Bayer, dass erfolgreiche Maisbestände immer das Ergebnis mehrerer Faktoren sind. Neben der Sorte spielen Beratung, Bestandesführung und Standortanpassung eine entscheidende Rolle.

Saatgutbehandlung ergänzt Strategie

Neben der Züchtung entwickelt Bayer auch Produkte für die Saatgutbehandlung. Das biologische Vogelrepellent Ibisio soll junge Maispflanzen vor Schäden durch Krähen, Tauben und andere Vögel schützen. Das Mittel basiert auf einem Extrakt aus schwarzem Pfeffer und erhielt 2026 eine zeitlich befristete Notfallzulassung in Deutschland.

Mit dem Produkt Yoalo setzt das Unternehmen zudem auf einen mikrobiellen Pflanzenhilfsstoff. Dieser soll die Verfügbarkeit von Phosphor im Boden verbessern, die Wurzelentwicklung fördern und die Nährstoffaufnahme unterstützen. In den von Bayer ausgewerteten Feldversuchen wurden damit durchschnittliche Mehrerträge von 2,5 Prozent erzielt.

Für die Praxis bedeutet dies: Der Maisanbau wird zunehmend von moderner Züchtung, Datenanalyse und biologischen Verfahren geprägt. Angesichts zunehmender Wetterrisiken dürften robuste Sorten und angepasste Anbausysteme künftig noch stärker darüber entscheiden, wie sicher Erträge und Qualitäten auf den Betrieben erreicht werden können.

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