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Magazin Ausgabe 03/2026
03/2026
29. Juni 202629.06.26

Bio mit System

Bundesverband der Maschinenringe e.V
weniger als eine Minute Lesezeit

Ökologischer Landbau auf großen Flächen ist kein Selbstläufer. Schon gar nicht, wenn die Standorte heterogen sind, die Böden unterschiedlich leistungsfähig und dazu noch historisch belastet. Julius von Gadenstedt kennt diese Realität gut. Seit 2021 bewirtschaftet er als Pächter das Klostergut Wöltingerode am Rande des Harz. Rund 370 Hektar Ackerland gehören zum Betrieb. Bio ist dabei keine freiwillige Entscheidung, sondern Teil der Pachtvereinbarung. In einem Expertengespräch beim Landtechnikhersteller Horsch erläuterte er die Strategie für den Betrieb.

Bio-Landwirtschaft, mechanische Unkrautbekämpfung, Fruchtfolge: So funktioniert Bio-Ackerbau ohne Chemie mit 11 Kulturen und konsequenter Nulltoleranzstrategie.

Dass der Betrieb dennoch wirtschaftlich funktioniert, liegt nicht an einzelnen Maßnahmen. Es ist ein durchdachtes Gesamtsystem mit klaren Standards, ein hohem Technikeinsatz und konsequenten Entscheidungen.

Ein Betrieb mit vielen Gesichtern

Die Ausgangslage ist anspruchsvoll. Die Bodenpunkte reichen von 25 bis 80. Viele Flächen sind hanglagig. In Teilen gibt es Schwermetallbelastungen aus früherer Nutzung. Das schränkt die Kulturwahl ein, vor allem bei Sonderkulturen und Direktvermarktung.

„Man muss sehr genau wissen, was auf welchem Schlag geht – und was nicht“, sagt von Gadenstedt. Pauschale Lösungen funktionieren hier nicht. Jede Fläche verlangt eine eigene Strategie. Gerade im Ökolandbau ist diese Differenzierung entscheidend. Fehler lassen sich später kaum korrigieren. Pflanzenschutz mit chemischen Mitteln fällt aus. Mechanik und Planung müssen früh greifen.

Breite Fruchtfolge statt Engführung

Der Betrieb setzt bewusst auf Vielfalt. Rund elf Kulturen stehen aktuell in der Fruchtfolge. Getreide spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Angebaut werden unter anderem Zuckerrüben, Rote Bete, Pflanzkartoffeln, Buschbohnen, Ackerbohnen, Ölfrüchte wie Raps und Körnermais.

Nach Körnermais folgen konsequent Leguminosen. Ein hoher Leguminosenanteil ist für den Landwirt dabei kein Selbstzweck. Er ist Teil des Nährstoffkonzepts in einem viehlosen Betrieb. Mais entzieht dem Boden viel Stickstoff. Zudem ist Getreide nach Mais wegen des Strohs und des Fusarienrisikos schwierig.

Ein zentrales Element der Strategie ist der regelmäßige Wechsel zwischen Winter‑ und Sommerungen. Winterungen werden bewusst begrenzt. Das senkt den Druck von Ungräsern und Krankheiten. Gleichzeitig eröffnet es Spielraum für mechanische Regulierung. „Die Fruchtfolge ist für uns das wichtigste Werkzeug“, sagt von Gadenstedt. „Ohne sie funktioniert Bio auf der Fläche nicht.“

45 Zentimeter-Reihen als Standard

Ein auffälliges Merkmal des Betriebs ist die einheitliche Reihenweite. Alle Kulturen stehen – soweit agronomisch möglich – auf 45 Zentimetern. Die Orientierung kommt aus dem Zuckerrübenanbau, ist aber längst zum betrieblichen Standard geworden.

Der Vorteil liegt im Alltag. Maschinen lassen sich kulturübergreifend einsetzen. Hacktechnik muss nicht umgebaut werden. Mitarbeiter können flexibel wechseln, ohne sich jedes Mal neu einarbeiten zu müssen.

Gerade im Frühjahr, wenn viele Arbeiten gleichzeitig anfallen, entlastet das das Team deutlich. „Einheitliche Prozesse sind im Bio‑Anbau Gold wert“, sagt von Gadenstedt. „Alles, was Komplexität reduziert, spart am Ende Geld.“

Nulltoleranz beim Unkraut

Unkraut duldet der Betriebsleiter nicht. Der Ansatz ist klar: Samenpotenzial minimieren, von Anfang an. Wer im Bio‑Anbau Schlupflöcher lässt, zahlt später doppelt.

Die Basis bildet die Mechanik. Ein 24‑Meter‑Striegel ist seit mehreren Jahren im Einsatz. Dazu kommt Hacktechnik, die laufend weiterentwickelt wird. Handarbeit gibt es nur dort, wo die Technik an ihre Grenzen stößt.

Ungräser wie Ackerfuchsschwanz kommen auch auf Wöltingerode vor. Sie sind jedoch beherrschbar. Denn Resistenzprobleme spielen bei mechanischen Verfahren keine Rolle. Der Schlüssel liegt im Maßnahmenmix: spätere Aussaat, Sommerungen, Fruchtfolgevielfalt und konsequente mechanische Regulierung.

In‑Row als nächster Schritt

In‑Row‑Technologien gelten beim Hacken für von Gadenstedt als nächster Entwicklungsschritt. Ziel ist es, das Unkraut möglichst nah an der Kulturpflanze zu kontrollieren – ohne händischen Nachgang. Rotierende Hackmesser mit Reiheneingriff sind da eine Option. Aber auch Lasertechnik biete für die Zukunft großes Potenzial, sei wirtschaftlich aber noch schwer darstellbar. Automatisierung und Kamerasysteme beobachtet der Betrieb deshalb sehr genau.

Pfluglos – mit Ausnahmen

Grundsätzlich arbeitet der Betrieb pfluglos, denn Bodenstruktur, Humus und Erosionsschutz stehen im Vordergrund. Doch es gibt Ausnahmen. Nach Körnermais kommt der Pflug gezielt zum Einsatz.

Der Grund liegt im hohen Organikanteil und im Krankheitsdruck. Fusarien sind ein Thema, das im Bio‑Anbau nicht unterschätzt werden darf. „Der Pflug ist kein Dogma, sondern ein Werkzeug“, sagt von Gadenstedt. Entscheidend ist, wann und warum man ihn einsetzt.

Nährstoffe im Blick behalten

Als viehloser Betrieb steht das Nährstoffmanagement ständig unter Beobachtung. Stickstoff kommt über Leguminosen, Zwischenfrüchte und gezielte Planung. Einfach ist das nicht. Die Salden müssen stimmen, denn Verluste fallen im Bio‑System stärker ins Gewicht. Deshalb beschäftigt sich der Betrieb intensiv mit Dokumentation und Optimierung.

Klare Linie für die Zukunft

Julius von Gadenstedt zeigt, dass Bio‑Ackerbau auf großen Flächen möglich ist. Nicht mit Ideologie, sondern mit System. Mit klaren Prinzipien. Und mit der Bereitschaft, Technik gezielt einzusetzen – statt auf sie zu hoffen.

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