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13. Januar 202313.01.23
Der Kampf gegen den Hunger
Maschinenringe Deutschland GmbH

Ganz am Ende wird nur der Landwirt den Hunger bekämpfen können“, ist Erwin Ballis, der Geschäftsführer des Bundesverbands der Maschinenringe mit Sitz im oberbayerischen Neuburg an der Donau überzeugt. Sein Blick richtet sich dabei auf die Länder Afrikas, für die der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine gravierende Auswirkungen hat. Im westafrikanischen Senegal, wo der Bundesverband der Maschinenringe seit 2018 in der Entwicklungszusammenarbeit erfolgreich wirkt, haben die lokalen Maschinenringe jetzt binnen Wochen ein Projekt auf die Beine gestellt, mit dem bis zu 25.000 Hektar mit Mais und anderen lokalen Getreidearten bewirtschaftet werden können. HUNGERKRISE BAHNT SICH AN Die Ukraine und Russland zählen nach Angaben der Welthungerhilfe bis dato zu den weltweit wichtigsten Getreideexporteuren. Die russischen Getreideexporte sind zu mehr als 80 Prozent Weizen. Die Ukraine ist breiter aufgestellt und zählt auch beim Körnermais zu den wichtigsten Exporteuren der Welt. Doch nun fallen dort Bomben auf die Felder, Moskau schneidet die Seewege für ukrainischen Weizen ab und hat selbst einen Exportstopp verhängt. Da auch der afrikanische Kontinent abhängig von ukrainischem und russischem Getreide ist, bahnt sich eine massive Hungerkrise an, in deren Folge es zu politischen Unruhen und einer neuerlichen Flüchtlingskatastrophe kommen kann, sind sich Experten sicher. In West- und Zentralafrika, aber auch in Ostafrika ist die Abhängigkeit ein Relikt einst sehr günstiger Weizenexporte aus der Europäischen Union, erklärt Francisco Mari, Referent für Welternährung, Agrarhandel und Meerespolitik bei Brot für die Welt. Hoch subventionierte Weizenimporte hätten das Ernährungsverhalten der Menschen, besonders in den Städten, weg von einheimischem Getreide und Nahrungsvielfalt hin zum Brotkonsum innerhalb weniger Jahrzehnte stark verändert. Vor allem in französischsprachigen westafrikanischen Staaten sei die tägliche Baguette-Stange auch ein Symbol dafür, dass man Teil einer globalisierten Ernährungswelt sei. BROTPREIS ALS MASS FÜR ALLE NAHRUNGSMITTEL Ist Brot in einem Land dann erst einmal Grundnahrungsmittel, sei der Brotpreis ähnlich wie in Europa das Maß für alle Nahrungsmittel. Viele Regierungen seien gezwungen, den Brotpreis zu stützen, damit dieser das günstigste Grundnahrungsmittel bleibt. Die Staaten seien hoch abhängig von Importen, auch zur Freude der europäischen Agrarexporteure. Diese durch EU-Billigimporte erzwungene Nahrungsveränderung in Westafrika entwickele sich dann zur Ernährungs- und oft auch zur politischen Krise, wenn die Weizenpreise auf dem Weltmarkt stiegen oder sich das Angebot verknappe. Auch der Senegal ist bis dato laut Erwin Ballis abhängig von günstigen Weizenexporten aus Osteuropa. Da diese derzeit ausbleiben, haben die Maschinenringe des westafrikanischen Lands damit begonnen, die Anbauflächen ihrer Mitglieder und eigene Flächen auszuweiten und die Lücke des ausbleibenden Weizens zumindest teilweise durch die Pflanzung von Mais und Erdnüssen zu schließen. DREI SÄULEN FÜR FLÄCHENZUWACHS Die Strukturen für das Projekt hat der Bundesverband der Maschinenringe in vier Jahren der Entwicklungsarbeit im Senegal gelegt. Stand heute gibt es in dem westafrikanischen Land 56 Maschinenringe, organisiert in drei Landesverbänden, in den Regionen Thiès, Kolda und Ziguinchor, mit rund 8.500 Mitgliedern. Von den insgesamt 13 Regionen Senegals seien sechs bis sieben geeignet, um Ackerbau zu betreiben. Die neuerliche Initiative, die die senegalesischen Ringe mit ihren deutschen Partnern angestoßen haben, sorgt mit drei Säulen für einen Flächenzuwachs von bis zu 25.000 Hektar, erklärt Maschinenringe-Geschäftsführer Erwin Ballis. Zum einen stellen die lokalen Maschinenringe erstmals für ihre Mitglieder Sammelanträge für Saatgut und Düngemittel bei der Regierung Senegals. Der Staat subventioniert hier die Landwirte mit bis zu 70 Prozent der Anschaffungskosten. RINGE ORGANISIEREN SAATGUT Dieses Potenzial blieb bis dato ungenutzt, da viele Landwirte davon bisher nichts wussten oder die Anträge nicht selbst stellen konnten. „Jetzt versuchen wir, das Saatgut für die Landwirte zu organisieren“, erklärt Erwin Ballis. Da durch das Subventionsprogramm in diesem Jahr mehr angebaut werden kann, forderten die lokalen Maschinenringe ihre Mitglieder auf, weitere Flächen nachzumelden. Allein dadurch ergibt sich eine Flächensteigerung von rund 20.000 Hektar, verteilt über alle Maschinenring- Gebiete, berichtet Ballis. Zum anderen treten die regionalen Maschinenringe erstmals selbst als Pächter auf und bewirtschaften Flächen. Auf den rund 1.000 Hektar soll dann Mais angebaut werden, da sich mit ihm am besten der fehlende Weizen aus der Ukraine ausgleichen lässt. In Adeane etwa begutachtete das Projektteam ein ehemaliges staatliches Versuchsfeld, das die Landwirte den Maschinenringen als Pachtfläche zur Verfügung stellen möchten. Das Feld verfüge über eine neue Bewässerungsanlage und Bewässerungsleitungen, die noch installiert werden müssten und eigne sich durch die Lage an der Hauptstraße und die Einzäunung hervorragend als Demofeld. Außerdem bestehe Erweiterungspotenzial über geeignete Nachbarflächen. Aktuell werde das Feld nicht bewirtschaftet, warum, wisse keiner. KLEINKREDITE FÜR LANDWIRTE Auch mit der dritten Maßnahme betritt der Maschinenring laut Erwin Ballis Neuland: „Erstmals vergeben wir an die Bauern Kleinkredite zu niedrigen Zinssätzen. Damit können die Mitglieder mehr Saatgut und Düngemittel für zusätzliche Flächen beziehen. Die Maschinenringe vermarkten anschließend die Ernteprodukte, um für die Landwirte einen besseren Preis zu erzielen.“ Seit Anfang Mai laufen die Vorbereitungen für die Saat seither auf Hochtouren. „Anfang Juni beginnt die Regenzeit, bis dahin muss alles im Boden sein“, sagt Erwin Ballis. „Wir müssen es jetzt schaffen, möglichst gut und effizient anzubauen“, erklärt der Bundesverband- Geschäftsführer. Ohne den Aufbau der vergangenen vier Jahre im Senegal wäre dieser Schritt zur Steigerung der bewirtschafteten Fläche nicht vorstellbar, ist sich Erwin Ballis sicher. Sein Ziel für die Zukunft hat er sich bereits gesteckt: Die Länder Afrikas mit dem Gemeinschaftsgedanken der Maschinenringe in die Ernährungs-Souveränität führen. Dass dieses Ziel mit dem Wissen der Maschinenringe erreichbar ist, davon ist Erwin Ballis überzeugt. „Mit unserer Arbeit durchkreuzen wir momentan eingefahrene Schemen“, erklärt er und freut sich, wie diese pragmatische Herangehensweise der Maschinenringe bei anderen Institutionen immer wieder für Erstaunen und Verwunderung sorgt. „Vielleicht sind wir einfach zu normal unterwegs!“

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