Gerade in Zeiten sinkender Einnahmen geraten auf vielen Höfen Beiträge für landwirtschaftliche Versicherungen als eine belastende Kostenposition auf den Prüfstand. Doch kann im Schadensfall ein fehlender oder unzureichender Versicherungsschutz existenzgefährdend werden. Der folgende Überblick zeigt, welche Versicherungen für landwirtschaftlichen Betriebe besonders wichtig sind und welche typischen Fehler dazu führen können, dass Versicherungen die Leistungen kürzen oder verweigern.


Absicherung von Haftungsrisiken
- Die wichtigste Versicherung ist die Betriebshaftpflichtversicherung. Versichert sind Schäden, die Dritten entstehen. Dazu gehören Personen-, Sach- und Vermögensschäden, Schäden aus der Bewirtschaftung, Tierhaltung, Maschinen- und Fahrzeuggebrauch, Verkehrssicherungspflichten, Produktfehlern oder Umwelteinwirkungen. Beispielsweise, wenn ein Spaziergänger auf dem vereisten Hof stürzt, ein ausgebrochenes Rind einen Verkehrsunfall verursacht, ein Herbizid auf das Nachbarfeld driftet oder ein Mitarbeiter fremdes Eigentum beschädigt.
- An erster Stelle steht die Gebäudeversicherung. Versichert werden in der Regel alle Gebäude des Betriebes. Versicherte Gefahren sind Feuer, Leitungswasser, Sturm/Hagel und optional Elementarschäden, was in jedem Fall mitversichert werden sollte. Anderenfalls droht bei Überschwemmung, Starkregen, Rückstau, Schneedruck oder Erdrutsch, dass der Schaden nicht ersetzt wird.
- Die Inhalts-/Inventarversicherung versichert Maschinen, Werkzeuge, Vorräte, Futtermittel, Saatgut, Dünger, Erntegut, technische Anlagen, Büroausstattung gegen Feuer, Einbruchdiebstahl, Sturm, Leitungswasser und teilweise gegen Bedienfehler. Oft reicht die vereinbarte Entschädigungssumme nicht aus, um den Schaden zu ersetzten oder der Versicherungsschutz für einzelne Gegenstände wie zum Beispiel Kühlgut ist eingeschränkt.
- Die Maschinenversicherung sichert Traktoren, Mähdrescher, Häcksler, Melkroboter, GPS-Technik und Präzisionslandwirtschaftssysteme ab. Versichert sind typische Schäden wie zum Beispiel Bedienfehler, Überspannung, Kurzschluss, Fremdkörper, Bruchschäden, Vandalismus oder Diebstahl.
- Die KFZ-Versicherungen für landwirtschaftliche Fahrzeuge versichert Schlepper, Anhänger, Hoflader, Erntemaschinen und Transportfahrzeuge. Wird mit einem landwirtschaftlichen KFZ ein gewerblicher Transport durchgeführt, kann der Versicherungsschutz entfallen. Ebenso bei einer Nutzung durch nicht gemeldete Fahrer, bei fehlender Fahrerlaubnis, bei Zweckentfremdung oder bei Überladung.
- Die Ernteversicherung / Mehrgefahrenversicherung versichert je nach Vertrag Hagel, Sturm, Starkregen, Frost, Dürre und Überschwemmung. Hier ist der Versicherungsfall häufig sehr technisch definiert, so dass häufig trotz Schaden kein Versicherungsfall vorliegt. Wichtig ist eine saubere Dokumentation des gesamten Schadens (Schlagkartei, Wetterdaten, Ertragsdaten, Fotos etc.).
- Die Tierversicherungen sind inhaltlich sehr unterschiedlich. Hier ist genau zu prüfen, ob Tierleben, Tierseuchen, Ertragsausfall, Transport oder etwa OP-Kosten zu versichern sind. Relevante Risiken sind Seuchen, Stallbrand, Hitzeschäden, Stromausfall oder Belüftungsausfall.
- Die Betriebsunterbrechungsversicherung deckt insbesondere bei spezialisierten Betrieben den entgangenen Gewinn, die fortlaufenden Kosten sowie Mehrkosten nach Feuer, Seuche, Maschinenschaden oder Stromausfall ab. Diese Versicherungen werden häufig abgeschlossen von Betrieben mit Milchvieh, Geflügel, Schweinemast, Biogas, Gewächshäusern und Direktvermarktung.
- Die Cyberversicherung deckt Risiken wie Melkroboter-Ausfälle, Hackerangriffe, GPS-Manipulationen, Betriebsstillstand, Datenverlust oder Erpressungstrojaner ab. Bei Nichtbeachtung von IT-Sicherheitsstandards, Backups, Passwortschutz oder Updatepflichten kann die Versicherung die Leistung kürzen.
- Die Absicherung bei einem Unfall und oder Verlust der Arbeitskraft erfolgt über die private Unfallversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung, Dread-Disease oder das Krankentagegeld. Fehler entstehen hier oft bei der Einhaltung von über die Versicherungsbedingungen vereinbarten Fristen, dem Nachweis der Beeinträchtigung oder den Eintritt des Versicherungsfalls.
- Weitere Spezialversicherungen gibt es insbesondere für Biogasanlagen, Ferienhof / Agrotourismus oder Lohnunternehmen mit einem deutlich erhöhten Haftungs- und Verkehrsrisiko.
- Eine Rechtschutzversicherung ist für Landwirte häufig sehr sinnvoll. Sie übernimmt die Kosten für den Anwalt, die Gerichtskosten und die Kosten für eventuelle Sachverständige. Der Umfang des Versicherungsschutzes unterscheidet sich zum Teil erheblich.


Dr. Christian Halm ist Fachanwalt für Agrarrecht, Fachanwalt für Versicherungsrecht, Fachanwalt für Verwaltungsrecht.Foto: Waas
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