Wenn Krankheit oder Unfall einen landwirtschaftlichen Betrieb lahmlegen, sind sie zur Stelle – die Betriebshelfer: Lars Ludwigs übernimmt seit Jahren Höfe und Verantwortung im Stall. Eva Kortmann sorgt im Hintergrund dafür, dass Hilfe schnell und passend ankommt. Anne Bühler bringt trotz Meisterschule vollen Einsatz auf den Betrieben – und kennt die Not selbst aus eigener Erfahrung. Drei Menschen, die zeigen, wie unverzichtbar Betriebshilfe ist, weil sie da sind und helfen, wenn Höfe stillstehen. Beim Tag der Maschinenringe in Paderborn erhielten sie dafür den Betriebshilfe Award 2026.

Nils Thun, Präsident des Bundesverbandes der Maschinenringe und Verbands-Geschäftsführer Martin Gehring sowie MRD-Geschäftsführer Norbert Binger gratulierten Lars Ludwigs, Eva Kortmann und Anne Bühler. Foto: Lehmann
Ein unbedachter Schritt, eine ungeschickte Bewegung oder aufgestauter, psychischer Druck: Wenn Landwirte ausfallen, ist die Not auf ihrem Hof groß. Gut, dass es Betriebshelferinnen und Betriebshelfer gibt. “Sie sind ein Teil unserer Gemeinschaft”, sagte Nils Thun, Präsident des Bundesverbands der Maschinenringe auf dem Tag der Maschinenringe 2026 in Paderborn. Sie sind meist als Einzelkämpfer unterwegs, im Stillen und Dunkeln. “Heute sollen sie auf die große Bühne geholt werden” sagte Thun und zeichnete drei Menschen für ihr besonderes Engagement mit dem Betriebshilfe Award aus.

Betriebshelfer Lars Ludwigs
Thun war in ganz Deutschland unterwegs, um die ausgezeichneten Betriebshelfer zu besuchen. Einer von ihnen ist Lars Ludwigs vom Maschinenring Aurich. Wenn morgens um halb fünf der Wecker klingelt, beginnt für ihn ein Arbeitstag, auf den er sich nicht einfach „einstellen“ kann. Denn kein Einsatz gleicht dem anderen. Sicher ist nur eines: Irgendwo braucht jemand seine Hilfe. Seit mehr als 15 Jahren springt Lars Ludwigs er ein, wenn Landwirte krank werden, einen Unfall haben oder einfach einmal nicht können. Dann übernimmt er Verantwortung – für Tiere, für Betriebe und oft auch für ganze Familien.
„Als kleiner Junge war ich immer auf dem Bauernhof“, sagt er. „Das war immer mein Ziel.“ Der Weg dorthin war geradlinig. Ausbildung, Fachschule, Praxisjahr. Schon sein Vater war Betriebshelfer. 2010 begann Lars als selbstständiger Betriebshelfer beim Maschinenring, 2015 wurde er fest angestellt. Seitdem ist er geblieben. Aus Überzeugung.
Wenn auf einem Hof plötzlich nichts mehr geht, ist Lars Ludwigs da. Genau dafür wurde Lars Ludwigs als Betriebshilfe-Award Gewinner ausgezeichnet!
Sein Schwerpunkt liegt im Milchviehbereich. Kühe, Kälber, Stallarbeit – das ist seine Welt. „Morgens ist das Melken das Erste. Das hat Priorität“, sagt er ruhig, fast selbstverständlich. Danach Kälber füttern, Tiere kontrollieren, füttern, einstreuen. Klauenpflege, Tiergesundheit, Feldarbeiten. Im Winter mehr Stall, im Sommer Gülle, Aussaat, Ernte.
Was seine Arbeit besonders macht, sind die Situationen, in die er kommt. Oft ganz plötzlich. Manchmal erschütternd. Ein Anruf am Abend. Ein Unfall. Ein Betrieb steht still. Eine Geschichte hat sich tief eingeprägt. Ein Landwirt stürzt vom Fahrsilo und bricht sich einen Brustwirbel. „Lars muss morgen früh kommen“, trug der Verletzte seiner Frau auf. Lars kommt. Natürlich.
Fast ein Jahr lang führt er den Betrieb. Allein. „Der ganze Betrieb stand auf dem Kopf“, erinnert er sich. „Man muss sich erst mal einen Überblick verschaffen.“ Wochenlang. Monatelang. Der Moment, als der Betriebsleiter nach drei Monaten das erste Mal wieder im Stall steht, bleibt. „Das war so ein Moment, wo ich dachte: Gott sei Dank. Er ist wieder da.“ Man hört die Erleichterung noch heute.Lars ist froh, sich für die die Betriebshilfe entschieden zu haben, obwohl er auch selbst hätte Landwirt mit einem eigenen Hof werden wollte.
Auch für die Kollegen setzt er sich ein. Betriebshelfer arbeiten oft allein. Lars hat das früh erkannt. Als gewählter Sprecher bringt er ihre Themen in den Vorstand, organisiert Sommer- und Winterfeste, stärkt den Zusammenhalt. „Der Zusammenhalt ist wichtig“, sagt er. „Man steht sonst viel alleine.“ Was ihn auszeichnet, sagen andere: zuverlässig, pünktlich, umsichtig, engagiert. „Der Mann für alle Fälle“, so beschreiben ihn Betriebe und Kollegen. „Lars ist einer, dem man vertraut. Einer, der bleibt, wenn es schwierig wird“, sagt Annika Jaborg, Geschäftsführerin des Maschinenrings Aurich. Lars Ludwigs selbst würde das so nie sagen. Er bleibt lieber bescheiden. Aber wer ihm zuhört, merkt schnell: Für Lars ist das mehr als ein Job.

Eva Kortmann
Wenn auf einem Hof plötzlich nichts mehr geht, klingelt oft bei Eva Kortmann das Telefon. Eva Kortmann ist Einsatzleiterin in der Betriebs- und Familienhilfe des Maschinenrings Steinfurt-Bentheim. Was nach Organisation klingt, ist in Wahrheit Verantwortung rund um die Uhr. Für Höfe, für Familien, für Menschen in Ausnahmesituationen. Und für rund 70 Mitarbeiter, deren Einsätze sie plant, einteilt, begleitet und auffängt.
Für den Maschinenring Steinfurt-Bentheim war Eva Kortmann zunächst als Hauswirtschafterin im Außendienst selbst auf den Höfen und in den Familien unterwegs. Sie kennt diese Arbeit aus eigener Erfahrung. Sie weiß, wie es ist, plötzlich fremd zu sein und trotzdem alles auffangen zu müssen. „Man sieht viel. Man kann Bücher schreiben“, sagt sie. „Und diese Dankbarkeit, die dann zurückkommt, die ist enorm.“
Als Einsatzleiterin in der Betriebs- und Familienhilfe des Maschinenrings Steinfurt-Bentheim koordiniert Eva Kortmann die Einsätze, übernimmt Verantwortung und sorgt dafür, dass Hilfe dort ankommt, wo sie dringend gebraucht wird – rund um die Uhr.
Ihr Alltag beginnt meist mit Anrufen. Viele Anrufe. Landwirte, Familien, Krankenkassen. Sie nimmt Anträge auf, klärt Ansprüche, spricht mit der SVLFG, plant Einsätze. Parallel sucht sie die passenden Menschen für die passenden Situationen. „Sind kleine Kinder da? Tiere? Kühe, Schweine?“, zählt sie auf. „Dann muss man aus dem Pool genau den Richtigen finden.“ Dabei geht es nicht nur um Qualifikation, sondern um Menschen. „Man kann mich nachts wecken“, sagt Kortmann. „Ich weiß, wer wo ist und wer wohin passt.“ Leidenschaft nennt sie das. Und Verantwortung.
Rund 50 Betriebshelfer koordiniert sie derzeit. Zu wenig, sagt sie klar. „Die Betriebshelfer sind immer zu wenig.“ Dabei sei der Beruf abwechslungsreich und sinnvoll. „Man nimmt viel mit. Man gibt viel weiter.“ Dazu kommen etwa 15 bis 20 Familien- und Haushaltshilfen. „Für die machen wir derzeit sogar Werbung, um das Angebot bekannt zu machen“, berichtet sie. Was sie besonders betont, ist die Leistung ihres Teams. „Die kriegen morgens einen Anruf und müssen innerhalb von einer Stunde da sein“, sagt sie. „Unsere Helfer übernehmen Betriebe, Haushalte, ersetzen kranke Menschen. Ohne sie könnte man den Laden zumachen.“ Und sie sagt diesen Satz mit Überzeugung.
Eva Kortmann selbst steht ungern im Mittelpunkt. Lob gibt sie gerne weiter. Als sie für den Betriebshilfe Award ausgezeichnet wurde, war sie überrascht. „Mein Anspruch ist nicht ausreichend. Mein Anspruch ist bestmöglich.“

Anne Bühler
Wenn Anne Bühler morgens ins Auto steigt, ist es kurz vor fünf Uhr. Ihr Arbeitstag beginnt im Stall. Melken, füttern, nach den Tieren sehen. Danach geht es schnell nach Hause, duschen, umziehen – und weiter zur Meisterschule. Die 22-Jährige ist Betriebshelferin beim Maschinen- und Betriebshilfsring Hohenlohe. Dass Anne diesen Weg einschlägt, ist kein Zufall. Sie kennt die Hilfe von der anderen Seite. Aus der eigenen Familie.
„Wir waren früher selbst auf Betriebshilfe angewiesen“, erzählt sie. Als ihr Vater erkrankte, geriet der damalige Milchviehbetrieb in eine schwierige Situation. Betriebshelfer kamen auf den Hof, halfen im Stall, hielten den Betrieb am Laufen. Das war eine Erfahrung, die sie geprägt hat. „Ich habe gemerkt, wie wichtig es ist, jemand zu haben, der da kommt.“ Anne Bühler macht derzeit ihren Meister an der Landwirtschaftlichen Akademie in Kupferzell. Eine anspruchsvolle Ausbildung. Gleichzeitig arbeitet sie als Betriebshelferin – oft am Limit. „Das ist schon echt arg stressig manchmal“, sagt sie und fügt gleich hinzu: „Aber abends denk ich oft: Ich will’s grad gar nicht anders.“
Sie packt an, übernimmt Verantwortung und ist zur Stelle, wenn Betriebe ihre Hilfe am dringendsten brauchen. Anne Bühler zeigt, was Betriebshilfe bedeutet: Verlässlichkeit, Mut und Zusammenhalt, wenn es wirklich darauf ankommt.
Ein Einsatz ist ihr besonders im Kopf geblieben. „Ich war auf einem Betrieb, da war die Situation ähnlich wie bei meinem Vater“, erzählt sie. „Da hab ich gemerkt: Genau deshalb machst du das jetzt.“ Es sind diese Momente, die ihr zeigen, wie wichtig ihre Arbeit ist. Anne Bühler engagiert sich nicht nur im Stall. Sie bringt die Betriebshilfe auch ins Netz. Gemeinsam mit einem Kollegen produziert sie kurze Videos für die Sozialen Medien. Ziel: mehr Aufmerksamkeit für den Beruf. Und mehr Nachwuchs.
Nach der Meisterschule stehen Anne Bühler viele Möglichkeiten offen. Einen Betrieb führen und fest angestellt arbeiten. Anne Bühler hat sich noch nicht entschieden. Nur eines weiß sie sicher: „Bisher will ich eigentlich noch in der Betriebshilfe bleiben.“