Du hast die URL erfolgreich in Deine Zwischenablage kopiert!
ZurückZurück
26. Juni 202326.06.23
Ernte sicher einfahren: Anhänger, streck dich!
Bundesverband der Maschinenringe e.V

Kaum ist man auf dem Feld, um den Weizen zu dreschen - schon rückt die nächste Gewitterfront an. Genauso mit der Futterernte: Die Ballen sind gepresst und sollen schnell ins Winterlager. Keine seltene Situation in der Ernte 2021. Aber Achtung: Im Stress steigt die Unfallgefahr deutlich an.

Die Anhänger stehen voll beladen am Feldrand und müssen noch schnell ins Trockene gebracht werden. Mit dem modernen Schlepper inklusive stufenlosem Getriebe kein Problem! Doch was passiert auf Gefällestrecken? Der Aushilfs-Fahrer steht unter Spannung und ist durch den Stress nicht ganz bei der Sache: Er wird unbemerkt immer schneller. Mit der Hand am Joystick übt er instinktiv eine Rückwärtsbewegung aus, die Betriebsbremse („Fußbremse“) wird nicht betätigt. Dann geht plötzlich alles ganz schnell. Das Getriebe versucht, die Geschwindigkeit zu verringern, ohne die Anhänger-Bremsen anzusteuern. Die Anhänger schieben bergab und überschieben irgendwann das Zugfahrzeug …

So oder so ähnlich haben sich bereits unzählige Unfälle ereignet. Zwar sind stufenlose Traktoren keine Neuheit mehr auf dem Markt. Jedoch wird die Gefahr der Geschwindigkeitsverringerung mithilfe des Joysticks oder per Wegnehmen des Fußes vom Fahrpedal immer noch sträflich unterschätzt.

Streckfunktion soll unterstützen

Jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. In fast allen Fällen ist das schwächste Glied der Mensch, technische oder elektronische Ursachen sind die absolute Ausnahme. Um diesen Unsicherheitsfaktor zu verkleinern, bringen die Schlepper-Hersteller immer neue technische Unterstützungen auf den Markt, zuletzt zum Beispiel die Anhängerstreckfunktion. Wie funktioniert das nun genau?

Wird der Joystick während der Fahrt nach hinten gezogen, versucht nicht nur der Traktor die Geschwindigkeit ohne Einsatz der Bremsen zu verringern. Zusätzlich greifen die Bremsen des Anhängers aktiv ein und strecken das gesamte Gespann in die Länge, nehmen also Schubleistung vom Zugfahrzeug. Die Bremsen des Anhängers greifen genauso ein, wenn das Zugfahrzeug merkt, dass es bei der Bergabfahrt ohne aktives Bremsen durch den Fahrer von den Anhängern aufgeschoben wird.

Maschinenring-Mitarbeiterin auf Probefahrt

Beim Test&Ride bei der Firma Claas konnte Julia Karl, Mitarbeiterin bei der Maschinenring Arbeitssicherheit, in einer Probefahrt das Fahrgefühl selbst erleben. Bei verschiedenen Fahrmanövern, darunter Straßenfahrt, Bergabfahrt und Einsatz der Wendeschaltung, testete sie die Praxistauglichkeit. Immer wenn der Anhänger droht, das Zugfahrzeug zu schieben, wird die Bremse angesteuert. Zu Vorführungszwecken wurde zwischen dem Druckluftsystem des Traktors und den Bremsschläuchen des Anhängers ein Manometer verbaut, um die Reaktion im Anhängerbremssystem auch für den Fahrer sichtbar zu machen.

Claas bietet für alle Modelle der Serie Arion 500/600, die mit CMATIC Getriebe und Druckluftbremsanlage ausgerüstet sind, eine Anhängerstreckfunktion an. Außerdem kann die Funktion bei stufenlosen Claas-Traktoren mit Druckluftbremse kostengünstig nachgerüstet werden. Auch die Hersteller Case, Deutz, New Holland und Steyr bieten Anhänger-Streckbremsen an.

Das Fazit

Die Testfahrt hat begeistert. Wieder wird die Straße ein Stückchen sicherer für alle und die Fehlerquelle Mensch ein wenig verringert. Der Fahrer kann sich mit dem sicheren Gefühl, dass der Traktor selbst Bremsungen am Anhänger veranlasst, mehr auf den Verkehr und Umgebungsbedingungen konzentrieren. Zusätzlich wird die Lebensdauer der Traktorreifen und des Getriebes deutlich verlängert.

Teile jetzt diesen Artikel

ZurückZurück
Fragen?