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21. Dezember 202221.12.22
Flotte Öko-Flitzer
Maschinenringe Deutschland GmbH

Geht es um Elektroautos, werden Gespräche schnell emotional. Warum das so ist, zeigt sich unter anderem im Mobilitätsmonitor 2021. Während Politik und Industrie die E-Mobilität forcieren, sind die Menschen überwiegend skeptisch. Nur ein Viertel der Befragten könnte sich vorstellen, überhaupt ein E-Auto zu kaufen. Oft überwiegen Vorbehalte wie der hohe Preis, die vermeintlich geringe Reichweite und die Frage, wo es die nächste Ladestation gibt. Der Maschinenring Traunstein hat sich trotzdem für eine elektrische Fahrzeugflotte entschieden. Insgesamt sieben vollelektrische E-Autos, fünf Renault ZOE und zwei SEAT Mii besitzt der Maschinenring mittlerweile. Genutzt werden sie von den Betriebshelfern und -helferinnen und Außendienstmitarbeitern. E-AUTO ALS ZUCKERL „So ein E-Auto zu fahren, macht einfach Spaß“, sagt Geschäftsführer Raphael Röckenwagner dazu. Aber der Fahrspaß war das schwächste Argument in der Entscheidung für die elektrisch betriebenen PKW. Angefangen hat alles mit den Betriebshelfern des Maschinenrings. Oder besser mit denen, die es nicht gab. Röckenwagner erklärt, dass es nicht nur schwierig ist neue zu finden, auch die bestehenden zu halten, ist nicht leicht. „Den Mitarbeitern musst du hier in der Region mehr als einen guten Lohn bieten.“ Den Impuls für Firmenwagen gab eine neue Betriebshelferin, die oft weite Anfahrtswege hatte. Dafür hatte sie einen 20 Jahre alten Opel Corsa und der war „mehr Problem als Auto.“ Der Geschäftsführer, der sich selbst als Fan von E-Autos bezeichnet, hat im Herbst 2018 schließlich seinem Vorstand einen Test mit der neuen Antriebsart vorgeschlagen. Der gab grünes Licht mit einer Einschränkung: Es sollte umgerechnet nicht viel teuer als 30 Cent pro Kilometer werden. Für Raphael Röckenwagner begann eine Zeit voller Tests und Rechenbeispielen. Ein E-Mobilitätsberater des Landkreises unterstützte ihn, stattete die Autos der Betriebshelfer mit GPS-Trackern aus und errechnete so die benötigte Batterieleistung. Während des Versuchszeitraums fuhr beruflich niemand mehr als 200 Kilometer am Tag. Eine Distanz, die selbst bei Minusgraden für aktuelle E-Autos mit kleinem Akku kein Problem ist. Woher kommt sie also, diese Skepsis gegenüber der sauberen Antriebsalternative? 66 PROZENT WENIGER CO2-EMISSIONEN Genau das ist einer der größten Vorwürfe: Die neuen Autos – vor allem ihre Batterien – seien alles andere als sauber. Natürlich werden auch für diese Autos Rohstoffe aufgewendet und Energie verbraucht. Das einzige saubere Auto ist das, welches erst gar nicht gebaut wird. Ansonsten sind aktuelle wissenschaftliche Studien sich einig: Wird der gesamte Lebenszyklus gegenübergestellt, setzt ein 2021 gefertigtes und 2038 stillgelegtes E-Auto 66 bis 69 Prozent weniger CO2 frei als die herkömmlichen Verbrenner. In diese Berechnungen sind auf beiden Seiten Zukunftstechnologien und angenommene Effizienzsteigerungen bereits mit eingeflossen. Ein weiterer Kritikpunkt sind die Rohstoffe Lithium und Kobalt. Beide sind elementar wichtig für die Produktion von aktuellen Lithium-Ionen-Batterien. Für die Rohstoffgewinnung werden vor allem in Südamerika enorme Mengen Salz-Wasser verdunstet. Und das dauert seine Zeit. In Zukunft könnte es also Engpässe bei der Verfügbarkeit des Rohstoffs geben. Kobalt wird noch kritischer gesehen. Knapp die Hälfte der weltweiten Reserven dieses Metalls liegen im Kongo. Das Land fördert zwei Drittel der weltweiten Jahresmenge. Mindestens 20 Prozent dieses Kobalts stammt aus unkontrollierten Kleinminen. Kinderarbeit, Einstürze mit Todesfolge und Löhne weit unter dem Existenzminimum sind dokumentierter Alltag. Autohersteller forschen deshalb intensiv an Batterien, die ohne Kobalt auskommen. Maximilian Fichtner ist stellvertretender Direktor des Helmholtz- Instituts Ulm für Elektrochemische Energiespeicherung. Er geht davon aus, dass bereits 2025 die ersten Batterien ohne Kobalt auf den Markt kommen. Bis dahin beziehen viele europäische Hersteller laut eigenen Angaben ihr Kobalt aus zertifizierten Minen im Kongo oder aus anderen Ländern. Über diese Dinge hat sich Röckenwagner viele Gedanken gemacht. Für ihn geht es auch um das große Ganze. „Der Klimawandel sollte uns klarmachen, dass wir unsere Mobilität verändern müssen“, bekräftigt der 46-Jährige. Röckenwagner rechnet vor, ab wann die eingesetzten E-Autos klimaneutral fahren: „Durch die kleinen Akkus und den genutzten regenerativen Strom von LandEnergie sind unsere E-Autos schon nach 18.000 Kilometern, also im ersten Jahr, wesentlich klimaschonender als Verbrenner.“ Er sieht besonders in der Landwirtschaft ein großes Potenzial für eine elektrische Zukunft. Viele Landwirte produzieren eigenen Strom. Spätestens wenn die EEG-Förderung nach 20 Jahren ausläuft, stehen sie alle vor der gleichen Frage: Wohin mit meinem Strom? Für den Maschinenring-Geschäftsführer schließt sich da ein Kreis: „Zugekaufter Strom ist bei uns wahnsinnig teuer und auch Benzin sowie Diesel werden immer teurer. Wenn ich mein Auto oder den Hoflader mit selbst produziertem Strom laden kann, ist das super.“ Gestartet ist der Maschinenring Traunstein mit Autohersteller Renault. Das vollelektrische Modell ZOE gibt es ab 30.000 Euro aufwärts. Abzüglich MR-Rabatt und staatlicher Förderung sind nur knapp 18.000 Euro des ursprünglichen Listenpreises geblieben. Mit einer 50 kWh- Batterie kommt das Auto bei besten Bedingungen 400 Kilometer weit. Der Hersteller verspricht bis zu 1.500 volle Ladezyklen. Ergänzt wurde die E-Flotte mit zwei SEAT Mii mit einem 32 kWh Akku. Der technische Fortschritt ist hier besonders rasant, erklärt der Wissenschaftler Maximilian Fichtner: „In drei oder vier Jahren sind Batterien mit 3.000 Ladezyklen auf dem Markt und auch die Reichweite steigt kontinuierlich.“ ES LOHNT SICH Aber rechnet sich das auch für Firmen wie den Maschinenring Traunstein? Die Antwort von Röckenwagner ist ganz klar ja, sonst hätte er keine sieben E-Autos geleast. „Aktuell kommen wir mit unserem System sogar bei einem Strompreis von 30 Cent je Kilowattstunde und einem großzügig gerechneten Verbrauch von 20 kWh auf 100 Kilometer unter die angepeilten 30 Cent Kilometerkosten. Finanziell lohnt es sich vor allem auch für seine Mitarbeiter, die eines der geleasten Fahrzeuge als Firmenwagen fahren. Laura Bernauer rechnet vor, wie viel Geld sie mit ihrem elektrischen Firmenwagen spart: „Ich zahle keine 400 Euro Steuer im Jahr und hab einen flotten E-Flitzer, den ich auch privat nutzen kann.“ Ein eigener moderner Verbrenner würde die Betriebshelferin im Jahr durchaus das Sechs- bis Zehnfache kosten. Auch mit der Reichweite hatte sie bisher keine Probleme. „In zwei Stunden ist ein leerer Akku vollgeladen“, weiß sie mittlerweile. „Das ist reine Gewohnheit, wie beim Handy, abends einstecken, dann ist am Morgen der Akku immer voll.“ Die schlechte Ladeinfrastruktur ist das letzte Argument der Kritiker. Doch auch hier ist viel in Bewegung. Schon heute stehen etwa 24.000 Ladepunkte 14.000 Tankstellen in Deutschland gegenüber. Bis 2030 sollen eine Million weitere Ladepunkte dazukommen. Wichtig ist dann, dass diese auch den ländlichen Raum abdecken, was heute an vielen Stellen noch nicht der Fall ist. Beim Maschinenring Traunstein ist das kein Problem: Im Kofferraum der MR-E-Autos ist eine mobile Ladestation mit allen Adaptern, da kann an jeder Steckdose sicher geladen werden. SINN UND SPASS Röckenwagners Entscheidung, die eigene Firmenwagenflotte voll elektrisch aufzubauen, ist so etwas wie ein Leuchtturmprojekt. Dass er damit nicht die Welt rettet, ist ihm klar. Aber er sieht die Zusammenhänge. „Wir Menschen haben die Welt verändert und jetzt müssen wir uns verändern“, sagt er fast demütig, „und das kann auch Spaß machen!“

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