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22. Juni 202322.06.23
Gegen den Ziehharmonikaeffekt
Bundesverband der Maschinenringe e.V

Schwankungen beim Einzug des Ernteguts in den Mähdrescher kosten Kraft, erhöhen den Verschleiß und schmälern die Ernteleistung. Günter Zang, Mitglied im Maschinenring Untermain, hat einen Nachrüstbausatz entwickelt, der das Problem löst.

Seit fast einem halben Jahrhundert ist Günter Zang während der Erntekampagne mit dem Mähdrescher unterwegs, „und das mit Leidenschaft“, wie der 66-Jährige betont. Innerhalb der Betriebsgemeinschaft Acker GbR mit Sitz im nordbayerischen Schöllkrippen, in der fünf Landwirte zusammen rund 600 Hektar bewirtschaften, gehört das Dreschen von Getreide und Mais zu seinem Aufgabenfeld. Den Pflanzenbau hat er seinem Sohn Michael übergeben. Zang konzentriert sich seither auf den Mähdrusch.

Dadurch fand der Seniorchef die Zeit, sich mit einem Problem zu befassen, das ihn schon seit längerem beschäftigt. „Trotz aller Bemühungen um optimale Einstellungen des Mähdreschers war ich mit dem Druschergebnis oft unzufrieden. Insbesondere bei der Gerste gab es eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Ergebnis, unter anderem durch die nicht vollständige Entgrannung“, so Zang. Eine Begründung sieht er darin, dass die Rotortechnik wegen des möglichen Einsatzes zur Saatgutgewinnung eher auf einen schonenden Drusch des geschnittenen Ernteguts ausgelegt ist. Als weitere Ursache verortete er den Bereich der Zuführung am Mähdrescher. „Der Weg zwischen Klinge und Trommel ist entscheidend“, hat der Landwirt festgestellt. Komme es bei der Übergabe an den Schrägförderer zu einem Wechsel von Strohwülsten und Ausdünnungen im Gutstrom, dem sogenannten Ziehharmonikaeffekt, wie er insbesondere bei schwierigen Ernteverhältnissen zu beobachten ist, könnten die nachfolgenden hocheffizienten Aggregate, egal ob in Rotor- oder Schüttlermaschinen ihr Potenzial nicht ausschöpfen. Die einhergehenden Leistungsspitzen wiederum führten zu erhöhtem Verschleiß und Spritverbrauch.

Gleichmässiger Fluss

Aufbauend auf seine langjährigen praktischen Erfahrungen und Gespräche mit Fachleuten auf der Agritechnica entwickelte Zang mit Unterstützung seines Sohnes, der die CAD-Zeichnungen erstellte und die komplette Fertigung übernahm, sowie Jörg Wollesen vom Hersteller Agri Broker den für jeden Mähdreschertyp anpassbaren Bausatz „Wirtschaftswunder“. „Einen guten Zustand des Schneidwerkes vorausgesetzt, sorgen die drei Zusatzteile Zwangsführungsleiste, Ährenauflöseplatte und Grippleiste für gleichmäßige Zuführung des Getreides und dadurch trotz hohen Durchsatzes für eine nahezu vollständige Kornabscheidung“, versichert der Landwirt. Zudem würden Siebkasten und Reinigung von übermäßigem Kurzstroh entlastet und durch die kontinuierliche Beschickung des Häckslers auf ganzer Breite die Häckselqualität gesteigert.

Im Einzelnen erfüllen die Komponenten des Zusatz-Trios für den Mähdrescher nach Aussage des Entwicklers folgende Funktionen:

  • Die Zwangsführungsleiste sitzt auf der Einzugstrommel, an der die seitlichen Einzugsfinger entfernt werden. „An der richtigen Stelle platziert, vergrößert sie die Angriffsfläche zum Weitertransport der Erntegutmatte im Vergleich zu den flexiblen Fingern um das

20-fache“, sagt Zang. Durch die zweifache Abwinkelung der Leiste erhalte der Teppich aus Stroh und Ährenteilen den notwendigen Schub, aber es werde beim Weiterdrehen der Trommel und dem dadurch bewirkten Ausheben der Leistenzähne kein Material mitgerissen. Somit bestehe nicht die Gefahr des Umwickelns.

  • Die gemäß Einschätzung des Entwicklers zentrale Komponente des Nachrüstsatzes sei die durch abgerundete Ausbuchtungen speziell geformte, fünf Millimeter starke Ährenauflöseplatte. Sie löse schon viele Körner heraus und entzerre den Gutstrom. Die Grippleiste schließlich diene dazu, den erhöhten Widerstand, den der Erntegutteppich beim Passieren der Ährenauflöseplatte überwinden muss, auszugleichen. Dieser dritte Teil des Bausatzes wird über den Einzugsleisten des Schrägförderers befestigt.

Lagergetreide verliert seinen Schrecken

„Seit den ersten Entwürfen im vergangenen Jahr haben wir die Komponenten des Bausatzes und deren Zusammenspiel in vielen Tests nachjustiert. Der jetzt vorliegende Entwicklungsstand zeigt an unserer Erntemaschine sehr gute Ergebnisse. Aber es funktioniert auch an allen anderen Mähdreschertypen“, sagt Zang. Der im eigenen Betrieb und für den Lohndrusch eingesetzte New Holland CR 8080 mit 9,15 Meter breitem Schneidwerk habe im Weizen dank Nachrüstung mit dem „Wirtschaftswunder“ einen Korndurchsatz von bis zu 70 Tonnen pro Stunde bei nur 70 Prozent Motorauslastung erreicht. Das bedeute, dass pro Sekunde 40 Kilogramm Erntegut den ein Meter breiten Förderkanal passieren. Dennoch komme Stau praktisch nicht mehr vor. Auch gebe es keine ruckartigen Spitzenlasten, etwa bei Unkrautnestern. In diesen Fällen steige die Motorlast lediglich um etwa zehn Prozent. Überhaupt erledige sich der Mähdrusch viel entspannter. Schwierige Situationen wie Lagergetreide oder starke Verungrasung würden ihren Schrecken verlieren.

Den Nachrüstsatz gibt es bei ihm selbst oder bei Agri Broker zum Preis von 2.500 Euro zu kaufen. Ein Film zur Funktion ist auf der Webseite zu sehen.

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