Die Herbstaussaat von Hafer gewinnt in der landwirtschaftlichen Praxis zunehmend an Bedeutung. Für die Herbstaussaat von Sommerhafer wird eine Saatzeit zwischen Mitte Oktober und Anfang November empfohlen, wobei das optimal angestrebte Stadium zur Vegetationsruhe das 3-Blatt Stadium ist, informiert die IG Pflanzenzucht.


Die Herbstaussaat von Hafer gewinnt in der landwirtschaftlichen Praxis zunehmend an Bedeutung. Zu den pflanzenbaulichen Vorteilen zählt eine bessere Ausnutzung der Winterfeuchte, denn aufgrund vermehrter Frühjahrstrockenheit in den letzten Jahren kam es in vielen Regionen zu schlechten Erträgen und Qualitäten. Durch die Nutzung der im Winter gespeicherten Bodenfeuchte verschafft sich der herbstausgesäte Hafer einen deutlichen Entwicklungsvorsprung: Das Wurzelsystem ist bereits weiter ausgebildet, sodass die Pflanzen Trockenphasen im Frühjahr besser überstehen und Wasser aus tieferen Bodenschichten erschließen können.
Ein weiterer Vorteil ergibt sich im Bereich des Unkrautmanagements. Im Vergleich zum Winterhafer zeigt der Sommerhafer im Frühjahr eine deutlich zügigere Jugendentwicklung, wodurch Unkräuter frühzeitig und wirkungsvoll unterdrückt werden können. Auch die frühere Abreife ist ein nicht zu unterschätzender Aspekt. Sie erleichtert die Ernteplanung und schafft zusätzlichen Spielraum für nachfolgende Kulturen. Herbstaussaaten verfügen in der Regel über einen Vegetationsvorsprung von rund drei Wochen, der sich unter günstigen Bedingungen in einer entsprechend früheren Ernte widerspiegeln kann.
Trotz der genannten Vorteile sollte bei der Herbstaussaat von Hafer das Risiko einer Auswinterung sorgfältig abgewogen werden. Sommergetreide ist nicht auf Winterbedingungen gezüchtet, weshalb die Gefahr eines Totalausfalles besteht.
Für die Herbstaussaat von Sommerhafer wird eine Saatzeit zwischen Mitte Oktober und Anfang November empfohlen, wobei das optimal angestrebte Stadium zur Vegetationsruhe das 3-Blatt Stadium ist. Die Aussaatstärke sollte in der Regel bei 350–400 Körnern/m² liegen. Auch die Düngung spielt eine wesentliche Rolle: Eine N-Gabe von 100–120 kg Stickstoff/ha zum Vegetationsbeginn unterstützt die Regeneration und den Aufbau. Eine Stickstoffgabe im Februar kann noch eher zu einer Bestockung führen. Je später der Stickstoff ausgebracht wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Bestockung. Die Stickstoffgaben sollten jedoch abhängig von Standort, Witterung und Entwicklungsstand erfolgen.
Beim Einsatz von Wachstumsreglern ist die aktuelle Witterung während des Schossens zu berücksichtigen. In Jahren mit ausgeprägter Trockenheit ist von der Applikation eines Wachstumsreglers abzuraten. In der Praxis konnten wir in den letzten beiden Jahren zudem feststellen, dass Herbstaussaaten im Vergleich zu Frühjahrsaussaaten einen stabileren Halm entwickeln.
Frühjahrsaussaaten wachsen auf Grund des kürzeren Vegetationszeitraumes schneller in die Höhe und entwickelt dadurch dünnere, instabilere Halme. Zur Absicherung der Standfestigkeit sind beispielsweise CCC720, Medax Top + Turbo, Moddus oder Prodax zugelassen.
Ein weiterer Vorteil herbstausgesäter Haferbestände zeigt sich beim Krankheitsbefall. Oftmals ist kein oder nur ein geringer Einsatz von Fungiziden notwendig. Zur Absicherung sollte jedoch der Pflanzenschutz-Warndienst regelmäßig zur Entscheidungsfindung herangezogen werden.