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13. Januar 202313.01.23

Hoflader optimal einsetzen

Maschinenringe Deutschland GmbH

Den klassischen Hofschlepper gibt es seit eh und je. Ein am Betrieb vorhandener Traktor mit Frontlader übernimmt dabei meist mehr oder weniger gut die anfallenden Ladetätigkeiten und kann ansonsten regulär für andere Arbeiten eingesetzt werden. Oft wird dabei ein Kompromiss eingegangen: Die Größe des Schleppers wird vor allem für die Arbeit auf dem Feld ausgelegt und ist nicht hundertprozentig für den Einsatz auf den Betrieben ausgelegt. Und genau das ist einer der ausschlaggebenden Faktoren, warum die spezialisierten Hoflader immer beliebter werden: Sie machen das, wofür sie gebaut sind, sehr gut. Heben, laden, transportieren, schieben, misten … all das geht komfortabel und schnell von der Hand, große Kompromisse müssen nicht eingegangen werden. Tierhaltende Betriebe nutzen meist die kleiner dimensionierten Helferlein, im Ackerbau und Marktfruchtbetrieb kommen etwas größere Lader zum Einsatz. Das Angebot ist riesengroß! Um sich hier zurechtzufinden, gibt es einige wichtige Punkte zu beachten. GENAU PLANEN – UND TESTEN! Vom kleinen Hoflader über den wendigen Teleskoplader bis zum kompakten Radlader gilt: Vor einer Neuanschaffung sollte klar definiert werden, welches Fahrzeug den meisten Nutzen und die größte Arbeitserleichterung auf den Hof und in die Familie bringt. Die maximalen Abmessungen (Breite und Höhe) werden meist durch die baulichen Gegebenheiten vor Ort vorgegeben. Ein wichtiges Kriterium ist die Bauart des Laders an sich: klassisch mit Knicklenkung, einfach mit Panzerlenkung, Front-, Heckoder Vier-Rad-Lenkung. Was soll damit umgeschlagen werden? Zum Ausmisten muss mehr Wert auf das Antriebskonzept und die maximale Schubkraft gelegt werden, für den Getreideumschlag ist die Überladehöhe/Kipphöhe und die Überlade- Reichweite wichtig. Um hier Erfahrungen zu sammeln und eine Entscheidung treffen zu können, die sich nach einer Neuanschaffung lange Zeit unmittelbar auf den Betrieb auswirkt, sollte gewissenhaft vorgegangen werden. Ein Anforderungskatalog oder eine Checkliste hört sich aufwendig an, lohnt sich aber. Genauso wie ein Vergleich der infrage kommenden Technik durch einen praktischen Einsatz, idealerweise am eigenen Hof. Technische Details fallen oft erst dann auf: Sitzposition, Ergonomie der wichtigen Bedienelemente,aber auch die Schwingen-Geometrie oder Kraftstoffverbrauch bei unterschiedlichen Einsätzen. Wie aufwendig ist die Wartung, wie ist der Zugang zu den einzelnen Bauteilen? Kleinigkeiten oder nicht praxistaugliche Lösungen können oft vorab noch angesprochen und abgeändert werden. Soll der Lader auch auf der Straße eingesetzt werden, muss vorab dringend geklärt werden, ob eine Ausstattung, die den Anforderungen der Straßenverkehrsordnung genügt, lieferbar ist und wie der Betrieb erfolgen kann: als zulassungsfreie SAM (Selbstfahrende Arbeitsmaschine) bis zu einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern, als SAM mit eigenem Kennzeichen und schneller als 20 Stundenkilometer, als Zugmaschine, als Sonder- Kraftfahrzeug? Diese Entscheidungen haben unmittelbare Auswirkungen auf die Versicherung: Für die SAM bis 20 Stundenkilometer ist der Einschluss in die Betriebshaftpflicht üblich, bei anderen Fahrzeugen ist eine eigene Kfz-Haftpflicht genauso notwendig wie die regelmäßige Hauptuntersuchung. SICHERHEIT ALS KAUFKRITERIUM Spätestens an dieser Stelle muss auch das grundsätzliche Thema angeschnitten werden, welches viel zu oft erst zu spät berücksichtigt wird: Sicherheit! Bereits vor der Anschaffung eines Hofhelfers wird durch die Auswahl des Fahrzeugs und der Ausstattung der Grundstein für sichere und gleichzeitig komfortable Arbeit geleistet. Das ist aktive Präventionsarbeit, die dabei hilft, Unfälle zu vermeiden! Idealerweise wird durch die Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung eine Einschätzung des Risikos möglich gemacht. Dementsprechend sollte die Auswahl der infrage kommenden Lader nochmal neu geordnet werden. Die größten Risiken für den Fahrer gehen vom Umkippen des Fahrzeugs oder von herabfallenden Gegenständen aus. Eine Fahrerkabine, die gleichzeitig als Umsturzvorrichtung wie auch als Schutzeinrichtung gegen herabfallende Gegenstände wie zum Beispiel Großballen geeignet ist, kann deutlich zu einer Steigerung der Sicherheit für den Fahrer beitragen. Zusätzlich sorgt ein Fahrerrückhaltesystem (Gurt, Bügel, Türen) dafür, dass der Fahrer beim Umsturz des Hofladers nicht durch Herausfallen eingeklemmt oder eingequetscht wird. Jede Sicherheitsvorrichtung ist allerdings ein „Hindernis“ im täglichen Betrieb: Das Auf- und Absteigen wird komplizierter und dauert einen Wimpernschlag länger, und den Sitzkontaktschalter, der den Antrieb und bestimmte Funktionen außer Betrieb nimmt, sobald der Fahrer aufsteht, hat sicherlich jeder schon mal gedanklich verflucht. Aber es ist unerlässlich, sich damit zu arrangieren: Kein Unfall, keine Verletzung ist es Wert, an diesen Einrichtungen zu manipulieren, um augenscheinlich schneller oder einfacher arbeiten zu können! Die Umsturzvorrichtung als Mindestausstattung ist der bekannte „Überrollbügel“. Im wahrsten Sinne des Wortes spannend wird es dann, wenn es zum Beispiel eine sehr niedrige Stalldurchfahrt gibt: Dann wird der Bügel teilweise oder ganz abgeklappt, und oft der Einfachheit halber nicht mehr aufgeklappt. Hier muss der Betriebsleiter schnell und konsequent reagieren und vielleicht sogar sanktionieren! Die meist bessere Variante ist das Vier-Pfosten-Schutzdach oder eine Voll-Kabine. Diese Varianten haben zusätzliche Vorteile: Wetterschutz, bei geschlossenen Türen auch Lärm- und Staubschutz, gegen Aufpreis teilweise sogar mit Klimaanlage. MITARBEITER EINWEISEN Der Knicklenker hat vom Fahrzeugkonzept her das größte Risiko, umzukippen. Aber auch alle anderen Lader müssen mit der notwendigen Sorgfalt bedient werden. Sollen Mitarbeiter am Betrieb damit arbeiten, ist eine Einweisung in das Fahrzeug und eine Unterweisung zu Sicherheitsaspekten notwendig. Außerhalb des Fahrzeugs geht eine große Gefahr für umstehende Personen durch herabfallende Gegenstände aus. Ein weiterer Unfallschwerpunkt ist das Rückwärtsfahren ohne Blickkontakt der Beteiligten. Gerade beim Rangieren in Gebäuden, beim Ein- und Ausfahren von Gebäuden und insbesondere beim Rückwärtsfahren ist äußerste Vorsicht geboten. Was teilweise völlig außer Acht gelassen wird: Ist der ausgewählte Lader unabhängig von der technischen Ausstattung überhaupt für die vorgesehenen Arbeiten geeignet? In manchen technischen Unterlagen wird explizit darauf hingewiesen, dass zum Beispiel der Lader nicht eingesetzt werden darf, wenn brennbare oder explosive Umgebungen vorhanden sind. Wie ist das dann mit dem Teleskoplader bei der Bergung von Strohballen? Oder in der Getreidehalle? Genau wie bei allen anderen technischen Einrichtungen und Geräten ist auch für die Hofhelfer eine regelmäßige Prüfung durch eine sachkundige Person erforderlich. Dies kann entweder durch den Servicepartner erfolgen oder bei entsprechender Ausbildung auch selbst durchgeführt werden, wenn die jeweiligen Vorgaben des Herstellers und im Fall Land- und Forstwirtschaft der SVLFG eingehalten werden. FAZIT: Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass der Einsatz von Hofhelfern viel Komfort und Zeitersparnis bringen kann. Eine gute Auswahl, die gerade bei der ersten Anschaffung auch zeitlich aufwendig ist, macht sich auf lange Sicht bezahlt. Bei der Ausarbeitung der Gefährdungsbeurteilung und bei der Durchführung der Unterweisung unterstützt Ihr MR vor Ort gerne.

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