Batteriespeicher gewinnen in der Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung – insbesondere in Kombination mit Photovoltaikanlagen. Sie ermöglichen es, selbst erzeugten Strom effizient zu speichern und ihn zu einem späteren Zeitpunkt zu nutzen oder gewinnbringend zu vermarkten. Dadurch eröffnen sich viele Möglichkeiten für Landwirte. LandEnergie, der Stromversorger der Maschinenringe, informierte in einem vierteiligen Webinar im Mai mit zahlreichen Experten über die vielversprechende Technologie.


Preisrückgang bei Batteriespeichern und Wegfall der Fördervergütung für Photovoltaik-Anlagen: Stromspeicher werden für immer mehr landwirtschaftliche Betriebe interessant. “Es gibt kaum einen Landwirt mit PV-Anlage, für den sich ein Batteriespeicher nicht lohnen würde”, sagte Energieexperte Julian Müller beim Webinar des Maschinenrings. Müller arbeitet für den Verein C.A.R.M.E.N., das steht für das “CentraleAgrar-Rohstoff Marketing-und Energie-Netzwerk".
“Der Vorteil eines Batteriespeichers ist die gesteigerte energetische Unabhängigkeit”, so Müller. Energiekosten könnten damit reduziert und die Versorgungssicherheit gesteigert werden. Zumal für alle PV-Anlagen im 21. Betriebsjahr die Fördervergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) endet. “Viele Landwirte fallen jetzt aus der Förderung”, sagte der Energieprofi. Die Lösung: Die PV-Anlage auf Eigenverbrauch umstellen, um sie wirtschaftlich weiterbetreiben zu können. In Verbindung mit einem Batteriespeicher sei das “sehr interessant” für Landwirte, so Müller.
Zudem seien die Preise für Lithium-Ionen-Speicher zuletzt zurückgegangen. “Es gibt gute Technologien, die wirtschaftlich tragbar sind”, sagte er. Lithium-Ionen-Batterien hätten sich in den vergangenen Jahren durchgesetzt: Etwa 90 Prozent aller Stromspeicher in der Landwirtschaft gehörten dieser Technologie an. Ihr Vorteil sei unter anderem die Sicherheit: “Lithium-Ionen-Speicher haben ein sehr geringes Brandrisiko”, so Müller. Man sollte die Speicher jedoch vor Frost und Hitze schützen. “Auch mechanische Beschädigungen sind möglich, deshalb sollte der Speicher nicht in der Garage stehen.”
Die Wahl eines passenden Speichers hängt von der Leistung der PV-Anlage und vom Jahresstromverbrauch ab: Pro Kilowatt installierter PV-Leistung sollte etwa eine Kilowattstunde Speicherkapazität vorgesehen werden, so Müller. “Eine größere Batterie macht keinen Sinn, weil man im Winter den Speicher nicht vollbekommt.” Und beim Jahresstromverbrauch lautet die Faustregel: 1,5 Kilowattstunde Speicher pro 1000 Kilowattstunden Jahresverbrauch. “Das Ziel sollte sein, dass die Batterie 200-mal pro Jahr oder mehr be- und entladen wird”, sagte er.
Christian Mayr und Helmut Franzke vom Ingenieurbüro Kumandra Energy halten Batteriespeicher in der Landwirtschaft für ein solides Investment. Jedoch gebe es bei der Genehmigung und Umsetzung einer Anlage viele Stolpersteine, wie sie in ihrem Maschinenring-Webinar erklärten. Grundsätzlich sollten bei der Errichtung eines Batteriespeichers sechs Schritte beachtet werden.
Die Umsetzung eines Batteriespeicherprojekts beginne mit einer sorgfältigen Standortprüfung, so Christian Mayr. “Dabei müssen technische und baurechtliche Voraussetzungen bewertet werden. Besonders wichtig ist die Frage, ob sich die Anlage im Innen- oder Außenbereich befindet.” In vielen Fällen würden landwirtschaftliche Projekte von Privilegierungen profitieren. Dennoch unterscheiden sich die Verfahren je nach Bundesland deutlich.
Nach der ersten Planung folgt die technisch-wirtschaftliche Optimierung: Hier werden Speichergröße, Wirtschaftlichkeit und mögliche Erlösmodelle analysiert. “Ist der Stromspeicher zu groß, verbrenne ich Geld. Ist er zu klein, verliere ich Geld”, sagte Mayr. Einnahmen könnten durch Stromhandel, Regelenergie oder die Optimierung des Eigenverbrauchs erzielt werden. “Allerdings sind realistische Kalkulationen entscheidend, da der Markt starken Schwankungen unterliegt.”
Dann kommt die Genehmigungsplanung: Sie erfordert eine enge Abstimmung mit verschiedenen Behörden, erklärte Franzke. “Ich muss diese zudem mit Netzbetreibern und sämtlichen Projektpartnern vereinen.“ Wichtig sind ein strukturierter, gut abgestimmter Prozess und das rechtzeitige Einbinden aller relevanten Gremien und Ämter – einschließlich der Feuerwehr.
Im vierten Schritt werden passende Batteriespeicher spezifiziert und verschiedene Anbieter verglichen. “Der Markt ist sehr dynamisch: Jede Woche kommt ein neuer Anbieter auf den Markt”, sagt Mayr. “Es muss sichergestellt werden, dass die Qualität stimmt, alle Komponenten zusammenpassen und der Preis gut ist.”
Als letzte Schritte folgen der Bau und die Inbetriebnahme – und danach der reguläre Betrieb. “Besonders größere Projekte sind keine einfachen Produkte, sondern ein Projektgeschäft”, sagt Mayr. Zwei bis sechs Monate müssten die Anlagen eingefahren werden. Dann würden die Systeme getestet. “Wenn es dann stabil läuft, kann ich mich zurücklehnen.”
Trotz einiger Herausforderungen zeige sich, dass Batteriespeicher ein wichtiger Bestandteil landwirtschaftlicher Energiekonzepte werden. “Die Verbindung aus PV-Anlage und Speicher werden zum Standard.”, so Franzke.
Ob Photovoltaikanlagen auf Stalldächern oder Biogasanlagen: Immer mehr landwirtschaftliche Betriebe produzieren heute Strom. Doch damit entsteht eine neue Herausforderung. Denn der Ausbau der erneuerbaren Energien schreitet vielerorts schneller voran als der Ausbau der Stromnetze. Eine Lösung: Batteriespeicher.
Doch wie stark der „Batterie-Boom“ inzwischen die Netzinfrastruktur verändert, wurde im Webinar von Björn Terlinde und Bernhard John vom Projektplaner Westenergie Netzservice deutlich. “Netzbetreiber leiden aktuell unter einer Flut an Anträgen für Netzanschlüsse. Besonders im ländlichen Raum entstehen neue Projekte”, sagte Bernhard John.
Die Grundproblematik ist komplex. “Durch den starken Ausbau erneuerbarer Energien entstehen immer häufiger Situationen, in denen große Mengen Strom gleichzeitig eingespeist werden, während der Verbrauch vor Ort vergleichsweise gering bleibt”, so John. “Das Stromnetz gerät dadurch regional an seine Belastungsgrenzen.”
Ein zentrales Thema bleibt deshalb der Netzanschluss. Laut Björn Terlinde sind viele Netzkapazitäten bereits ausgelastet, sodass neue Projekte teils lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. “Der Weg zum Netzanschluss ist sehr reguliert.” Zunächst müsse der richtige Anschlussnetzbetreiber gefunden werden, bei dem der Antrag auf Netzanschluss zu stellen ist. “Es können große regionale Unterschiede hinsichtlich der Anforderungen an die Dokumente vorhanden sein”, sagte Terlinde.
Der Netzbetreiber handelt nach den Vorgaben der Bundesnetzagentur: Wer zuerst kommt, malt zuerst. “Man landet mit seinem Antrag in einer Bearbeitungskette. Die Anträge werden nacheinander abgearbeitet”, so der Energieprofi. Es gebe Zusagen mit einer Bindefristen von sechs Monaten. “In dieser Zeit ist man angehalten, den Projektfortschritt zyklisch anzuzeigen, um eine Verlängerung zu bekommen”, so Terlinde. “Die Anschlussleistung wird für den Antragsteller reserviert."
Der Antrag und die Reservierungszeit von sechs Monaten seien in der Regel kostenlos, sagte er. “Bei der Umsetzung fällt aber ein Baukostenzuschuss sowie weitere Netzanschlusskosten an. Die Höhe der Kosten ist je nach Region unterschiedlich.” Die Experten empfehlen, ein Ingenieurbüro für das Projekt zu beauftragen. “Das Stellen des ersten Antrags ist nicht schwierig. Aber die weitere Abwicklung kann man nicht selbst machen”, sagt John. “Das geht nicht mit Halbwissen.”
Klar ist: Batteriespeicher übernehmen bei der Energiewende eine Schlüsselrolle. Für Landwirte eröffnen sich damit neue Chancen, gleichzeitig steigen jedoch auch die technischen und regulatorischen Anforderungen.
Das größte wirtschaftliche Potenzial liegt laut den Energieexperten André Baron und Markus Bradfisch von SK Verbundenergie in der Vermarktung am Strommarkt. Beim Webinar über Batteriespeicher und deren Vermarktungsmöglichkeiten sprachen sie über diese Möglichkeiten.
Baron zufolge gibt es drei Möglichkeiten, Strom in Verbindung mit einem Batteriespeicher zu vermarkten: Graustromhandel, das “Verschieben“ von Grünstrom und die Kombination aus Grau- und Grünstrom, auch Co-Location genannt. Für Landwirte ist besonders das “Verschieben“ von Strom interessant. Dafür ist eine Kombination aus PV-Anlage und Speicher notwendig.
Überschüssiger Solarstrom wird nicht sofort eingespeist, sondern gezielt “verschoben“. Er wird dann verkauft, wenn die Strompreise höher sind. “Am Morgen bis spätestens 10 Uhr sacken die Preise meist durch. Bis etwa 17 Uhr ist der Preis bei null oder sogar negativ”, erklärte Baron. Man kann den Strom zwar einspeisen, erhält dafür aber keine Vergütung. Anstatt den Strom ohne Erlös einzuspeisen, kann er zwischengespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt verkauft werden.