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13. Januar 202313.01.23
Kontrolle Behalten
Maschinenringe Deutschland GmbH

Enno Garbade gehört wegen der Größe seiner Schweinemast – 300 Sauen mit Nachzucht und rund 8.000 Masttiere pro Jahr – zu den Betrieben, die schon vor dem Aufkommen der Afrikanischen Schweinepest in Sachen Biosicherheit am strengsten kontrolliert werden. Deshalb hat er auch schon vor Jahren mit dem benachbarten Maschinenring Zeven einen Zaun rund um seine kompletten Stallanlagen gebaut, als die Einfriedung großer Ställe zur Pflicht wurde. Den landwirtschaftlichen Betrieb hat Garbade von seinen Eltern übernommen und in den vergangenen Jahren gemeinsam mit seiner Frau Susanne weiterentwickelt. Mit seinem Sohn Hergen steht schon die nächste Generation in den Startlöchern. Auf 80 Hektar Ackerland baut die Familie Mais für eine Biogasanlage, Roggen und Wintergerste an. Das Getreide wird verkauft, Mischfutter für die Tiere komplett zugekauft. RESTRIKTIONEN VERMEIDEN Sein Tierbestand ist es Enno Garbade Wert, Vorsorge gegen die um sich greifende Afrikanische Schweinepest zu betreiben. Deshalb nimmt er seit knapp einem Jahr am Früherkennungsprogramm ASP teil. Das ist mit einigem Aufwand und Kosten von 2.500 Euro pro Jahr verbunden. Was erhofft er sich davon? „Im Ernstfall gehe ich davon aus, dass ich schneller reagieren kann und weniger Handelsrestriktionen für meinen Betrieb bekomme“, erklärt er. Damit meint er in erster Linie die Möglichkeit, leere Ställe in der Umgebung nutzen zu können, um seine Tiere unterbringen zu können, die in einem gesperrten ASP-Gebiet nicht vermarktet und transportiert werden dürfen. Masttiere werden immer schwerer und größer, wenn sie nicht geschlachtet werden dürfen, der Platz für sie geringer. „Da geht es auch um Tierschutz“, ist der Landwirtschaftsmeister überzeugt. Außerdem kommt in seinem Fall des geschlossenen Systems immer wieder „Nachschub“ aus dem Sauenstall. „Wenn ich aufgrund meiner Vorsorge Tiere umstallen oder abliefern darf, kann ich Druck vom Kessel nehmen“, so seine Hoffnung. WÖCHENTLICHE TIERÄRZTLICHE KONTROLLE Aber was genau beinhaltet das Programm? Es baut auf den Maßnahmen zur Biosicherheit auf, die jeder schweinehaltende Betrieb einzuhalten hat, geht aber noch deutlich darüber hinaus. Einmal wöchentlich kommt der Tierarzt oder die Tierärztin zur Kontrolle auf den Hof. „Man muss sich darauf einstellen, dass der gesamte Betrieb deutlich unter die Lupe genommen wird“, weiß Landwirtschaftsmeister Garbade aus eigener Erfahrung. In den Kontrollbesuchen wird auf das Wohlbefinden der Tiere genauso geachtet wie auf die gesamte Palette der Erfordernisse, die die Maßnahmen zur Biosicherheit vorgeben. Schwachstellen werden aufgedeckt und benannt. Laut Protokoll wird die Art der Haltung, die Dokumentation aller Vorgänge im Stall wie die Arzneigabe, die Kennzeichnung der Tiere sowie die Einhaltung der Schweinehygieneverordnung kontrolliert. REGELMÄSSIGE BLUTPROBEN Ein sehr wichtiger Teil des Programms ist die regelmäßige Blutentnahme von verendeten Tieren. Jede Woche sind zwei Proben notwendig, um die Bedingungen erfüllen zu können. Gemeldet wird an den Kreisveterinär. Er erscheint beim allerersten Besuch auch persönlich auf Betrieb, um den Status zu überprüfen. Danach kann der zuständige Tierarzt oder die Tierärztin die Kontrollen übernehmen. Erst nach vier Monaten durchgängiger Kontrolle erlangt der Betrieb den sogenannten Status, der ihm im ASP-Fall Erleichterungen beim Verbringen von Tieren verschafft. Bisher hat Enno Garbade, wie zu erwarten, jede Woche einen negativen Bescheid bekommen. Um die komplette Dokumentation im Bramstedter Betrieb kümmert sich seine Ehefrau Susanne. Rund 2.500 Euro pro Jahr legt das Betriebsleiterpaar für die engmaschige Vorsorge an. Darin enthalten sind die Probenahme und das Verschicken der Proben. Die Kosten für die Untersuchung werden von der niedersächsischen Tierseuchenkasse (TSK) getragen. Sie übernimmt seit Kurzem zusätzlich zu den Untersuchungskosten eine Beihilfe für die Probennahme in Höhe von vier Euro pro Probe beziehungsweise eine Mindesthilfe in Höhe von 25 Euro pro Bestandsbesuch. KEINE GARANTIE Grundsätzlich ist das Programm eher für Betriebe mit geschlossenem System sinnvoll. „Bis hier die Ställe einmal leer sind, dauert es bei uns länger als bei einem auf Mast spezialisierten Betrieb“, so Garbade. Er will sich nach Möglichkeit die Alternative offenhalten, seinen fünf Kilometer entfernten zweiten Maststall im Ernstfall anfahren zu dürfen. Die Entscheidung liegt aber auch dann in letzter Instanz beim Kreistierarzt – das ist ihm bewusst. „Eine Garantie bietet das Früherkennungsprogramm nicht“ sagt er, „aber ich sorge vor.“ Darüber hinaus sieht der Betriebsleiter auch die Verantwortung für die anderen Betriebe in der Umgebung. Und ein weiterer Vorteil: Bei Abschluss einer Ertragsschadenversicherung übernimmt die Versicherung im Seuchenfall 50 Prozent des Selbstbehalts.ZUKUNFTSSORGEN AUCH OHNE ASP In Niedersachsen haben sich bisher 269 Betriebe für das Verfahren entschieden. Die bereits seit längerer Zeit niedrigen Schweinepreise verhindern allerdings häufig eine Investition. Dafür hat Enno Garbade viel Verständnis. Als Vorsitzender des Arbeitskreises der Sauenhalter im niedersächsischen Landvolk kennt er die Sorgen seines Berufsstandes. Auch die Zukunft seines Sohnes Hergen, der mit seiner abgeschlossenen Meisterausbildung den Betrieb gern übernehmen möchte, beschäftigt ihn. Die aktuellen Erlöse machen eine Entscheidung für die Schweinehaltung schwer. Auf diesen Missstand macht Enno Garbade immer wieder aufmerksam. „2,20 Euro für das Kilogramm Schweinefleisch benötigen wir für ein ordentliches Auskommen. Ende März liegt der Preis zwar mit 1,85 Euro pro Kilo deutlich höher als in den vergangenen Wochen, ist aber immer noch zu niedrig“, so seine Einschätzung der aktuellen Situation. So ist es nicht verwunderlich, dass die Zahl der schweinehaltenden Betriebe in Niedersachsen rückläufig ist. HOFFNUNGSSCHIMMER Der größte Teil des Preisverfalls ist laut Garbade auf die Coronapandemie und die damit einhergehenden fehlenden Absatzmöglichkeiten in der Gastronomie und auf Festen zurückzuführen. Zumindest in diesem Punkt könnte 2022 wieder ein gutes Jahr werden.

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