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26. Juni 202326.06.23
Naturschutz umsetzen – Teil 2: Grüne Hofstellen schaffen
Bundesverband der Maschinenringe e.V

Landwirtschaftliche Betriebe haben ein enormes Potenzial, der Natur ein wenig mehr Platz als bisher einzuräumen – gerade auch auf den Hofflächen, wo bisher vielfach alles „ordentlich“ sein muss. Mit etwas Geschick lässt sich so auch eine günstige und effektive Öffentlichkeitsarbeit betreiben.

Der Rasen kurz gemäht, die Hecke akkurat geschnitten, die Schuppen und Scheunen dicht gemacht, damit kein „Ungeziefer“ hineinkommt. In den Dörfern von heute hat die Natur in Neubaugebieten, aber auch auf Resthöfen und manchen aktiven landwirtschaftlichen Betrieben keinen leichten Stand. Ein ausgeprägter Ordnungssinn, gepaart mit der Angst vor allzu viel wilder Natur haben aus vielen Grundstücken im ländlichen Raum pflegeleichte Gärten gemacht. Schwalben werden nicht geduldet oder werden durch Kunststoffschnüre am Nestbau gehindert, Schotter- und Matschflächen werden asphaltiert und statt Früchte tragender Büsche erobern Kirschlorbeer und Lebensbaum die Gärten.

Doch das muss nicht sein. Landwirte können an den eigenen Grundstücken zeigen, dass sie es wirklich ernst meinen mit dem verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur. Wenn dann beispielsweise die Schleiereule wieder unterm Dach brütet oder sich Wildbienen im Garten tummeln, dann zeigt das auch: Hier ist die Welt in Ordnung. Wenngleich eingeschränkt gesagt werden muss: Mitunter machen es Gesetze und Zertifizierungen schwierig, der Natur den benötigten Raum zu geben, etwa wenn die Getreidelager dicht gehalten werden müssen, um Verunreinigungen mit Vogelkot zu verhindern.

Freiwillig und gemeinsam

Doch wo anfangen? In unserem Juni-Heft haben wir mit der Darstellung der Gestaltung von Blühstreifen und -flächen, der aktiven Vorgewendebegrünung, dem Schaffen von Extensivgetreidestreifen sowie Altgrasstreifen gezeigt, was in der freien Landschaft möglich ist. In dieser Ausgabe soll es vor allem um Haus und Hof gehen. Denn mitunter sind es nur Kleinigkeiten, die ein 0815-Grundstück in ein kleines Naturparadies verwandeln.

Vielfältige Erfahrungen mit der Beratung von Landwirten zu diesem Thema hat Agraringenieurin Ute Grothey, Mitarbeiterin beim Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen e.V., einem freiwilligen Zusammenschluss von Landnutzern, Naturschützern und Kommunalpolitik in Südniedersachsen. Sie ist seit vielen Jahren aktiv in der Biodiversitätsberatung, häufig geht es dabei um Ackerwildkräuter, die Pflege von artenreichem Grünland, die Unterstützung von Weidetierhaltern oder um Flächen für den Rotmilan. Über das Modellprojekt „Fokus Naturtag – ein Tag für mehr Naturschutz in der Landwirtschaft“, das in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg lief und über den 100 Betriebe beraten wurden, war sie als Naturschutzberaterin auch auf Hofstellen in der Beratung aktiv.

Hase und Fledermaus

Alles kann, nichts muss – die Freiwilligkeit steht dabei im Mittelpunkt und erörtert werden Fragen wie „Welche Möglichkeiten für mehr Naturschutz können auf dem Betrieb einfach umgesetzt werden?“, „Wie sieht aus Sicht eines Hasen, einer Fledermaus, einer Wildbiene, einer Schleiereule oder einer Lerche der Lebens- und Nahrungsraum auf den eigenen Flächen und Hof aus?“. Die Schwerpunkte werden je nach Betrieb unterschiedlich gesetzt. Grundsätzlich wird jedoch möglichst umfassend auf den Betrieb geschaut – vom Acker und Grünland über die Landschaftselemente bis hin zur Hofstelle. Das Modellprojekt ist inzwischen beendet, Elemente daraus haben aber mittlerweile Eingang in die Biodiversitätsberatungen vieler Länder-Agrarumweltprogramme gefunden. Vermutlich wird das mit der neuen GAP-Agrarförderperiode noch zunehmen.

„Gerade die kleinen Maßnahmen sind es, die etwas bringen und die auch tatsächlich umge- setzt werden.“ Ute Grothey

Ob Begrünung der Hofstelle, Heckenpflege, Förderprogramme und praktische Hinweise zur Pflege von Feldsäumen – es gibt fast keine Fragen, die bei einer Beratung nicht erörtert werden können. Grotheys Erfahrung: Die Landwirte seien dem Naturschutz gegenüben sehr offen, solange man miteinander statt übereinander rede. Sie betont die Freiwilligkeit: „Der Natur zu helfen, das muss wirklich gewollt sein. Es bringt nichts, wenn dem Betriebsleiter etwas von außen aufgestülpt wird.“

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