Mit seinem Reinigungsroboter für Photovoltaikanlagen möchte sich der Maschinenring Hannover-Land ein neues Dienstleistungsfeld erschließen. Die ersten Einsätze sind vielversprechend. Wir waren auf einem Vorführungstermin im Hannoveraner Umland dabei.


Per Kran wird der Reinigungsroboter auf die Dachfläche gehoben. Fotos: Lehmann/Rust Media Solutions
Dass verschmutzte PV-Module nicht mehr den vollen Ertrag liefern, ist eigentlich jedem PV-Anlagenbetreiber klar. Doch meist merkt man erst nach Reinigung, wie hoch der Ertragsverlust vorher war. Eine regelmäßige Reinigung ist gerade für landwirtschaftliche Betriebe mit hoher Staublast zu empfehlen. Auch die Maschinenringe haben diesen Bedarf erkannt und gehandelt. „Schon seit einiger Zeit haben wir die Reinigung von PV-Anlagen über externe Dienstleister vermittelt“ berichtet Prokurist Steffen Rabe vom Maschinenring Hannover-Land mit Sitz in Otternhagen in Niedersachsen.
Doch das, so erzählt er weiter, habe nicht immer so funktioniert wie gewünscht, denn manche Anbieter seien sehr unzuverlässig gewesen und hätten die Kunden teilweise ohne Absage versetzt. „Wir waren zunehmend enttäuscht von der Geschäftsmoral der Firmen mit der mangelnden Termintreue. Damit dies nicht auf uns zurückfällt, haben wir uns dann gesagt, entweder wir hören mit der Vermittlung auf oder wir nehmen die Reinigung selber in die Hand“, erklärt Rabe. Und so kam es, dass sich die Verantwortlichen mit der Anschaffung eines MR-eigenen Reinigungsroboters befassten.
In engem Austausch mit einem österreichischen Maschinenring, der am Wiener Flughafen rund 20.000 m² PV-Module reinigt, wurde die Idee nach und nach konkreter und in die Tat umgesetzt. Mitte 2025 schaffte der Maschinenring dann den Reinigungsroboter solarROBOT pro des Unternehmens hyCLEANER aus dem westfälischen Gronau an. Mit dieser Anschaffung gehört der Maschinenring Hannover-Land zu den Pionieren dieser Dienstleistung im MR-Bereich in Deutschland.


Der Roboter verrichtet auf dem Dach seine Arbeit.
„Letztendlich reifte die Idee auch deshalb, weil wir als Arbeitgeber auch in der Verantwortung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen“, sagt Steffen Rabe. Der neue Geschäftszweig soll unter anderem auch deren Arbeitsplätze sichern, nachdem an anderer Stelle bei der Klärschlammausbringung und bei der Häcksel-KG Arbeiten weggebrochen und damit Kapazitäten freigeworden sind.
Das bedeutete aber auch, dass das Team in die neue Tätigkeit mitgenommen werden muss. „Die menschliche Komponente ist entscheidend für das Gelingen jedes neuen Betriebszweigs“, merkt Rabe an. „Wir haben mit allen betreffenden Teammitgliedern gesprochen und uns auch alle zusammen den Roboter vorführen lassen“, berichtet Rabe. Auf das Unternehmen hyCLEANER sei man unter anderem auch deshalb gekommen, weil dieses zu einer umfangreichen Vorführung und Einarbeitung auf dem Dach der eigenen Maschinenring-Halle bereitgewesen war. „Das hat uns sehr geholfen“, sagt Uwe Pröhl, einer der Mitarbeiter, die den Roboter steuern. „Ich musste mich zwar erst an die Höhe gewöhnen, aber nach vier, fünf Mal bekommt man langsam Routine“, erzählt er.


Die Anschaffungskosten des modular zerlegbaren Reinigungsroboters betrugen rund 50.000 € inklusive einigem Zubehör wie Bänder, Schläuche und dem Osmosegerät, das das Wasser entmineralisiert. Das Gerät benötigt zwischen drei und vier Bar Wasserdruck und verbraucht etwa zehn Liter Wasser pro Minute, also 600 Liter Wasser in der Stunde. Eine Einsatzbegrenzung gibt es nur bei einer Dachneigung von mehr als 25 Grad. „Wir haben zu Beginn mit einer Zielgröße von 3.000 m² kalkuliert und wollen nach einer Etablierung in Richtung 5.000 m² wachsen“, konstatiert Rabe. Er kalkuliert mit Gesamtkosten von 3 € bis 5 €/m² je nach Aufwand, Grad der Verschmutzung und Größe der Anlage. Hinzu kommen Hebebühnenkosten von 200 € bis 300 € sowie Fahrtkosten und gegebenenfalls Extraaufwand wie zum Beispiel ein Tank mit Trinkwasser, falls nur Brunnenwasser zur Verfügung steht. „Wenn ein Kunde anfragt, bekommt er einen Fragebogen zum Ausfüllen. Anhand dieser Daten erstelle ich dann ein Angebot“, erklärt Rabes Kollegin Jara Völker, die ihr duales Studium beim MR absolviert und für die Bodenproben, Vermessungen, die Rode-KG und die PV-Reinigung zuständig ist. Die PV-Anlagenreinigung wird von der MARIUS Maschinenring Umweltservice GmbH durchgeführt, die 1995 als Tochterfirma des Maschinenringes gegründet worden ist, um zusätzliche Einkommensmöglichkeiten für Landwirte zu schaffen. Heute hat sie eine Bilanzsumme von 3,7 Mio. €. Ihre Schwerpunkte sind Umweltdienstleistungen, Bodenbeprobung, Grüngutverwertung, Winterdienst, Flächenvermessung, Forst- und Gartentechnik.
Bei der Vorführung auf dem Betrieb von Petra und Christian Meyer und ihrem Sohn Christian in Berenbostel, einem Stadtteil von Garbsen in der Region Hannover, zeigt der Reinigungsroboter, was er kann. Familie Meyer betreibt einen Ackerbaubetrieb mit gut 100 ha und hat auf dem Dach ihrer Maschinenhalle vor 15 Jahren eine PV-Anlage mit 28,9 kWp auf einer Fläche von 450 m² installiert. „Vor sechs Jahren haben wir die Module einmal mit der Teleskopstange von Hand gereinigt, waren aber mit dem Ergebnis nicht so richtig zufrieden“, berichtet Christian Meyer jun. Er und sein Vater sind nun gespannt auf die Arbeit des Reinigungsroboters und ob dieser mit dem Moos und dem Flechtenbewuchs klarkommt. Die knapp 80 Kilogramm schwere Maschine wird von MR-Mitarbeiter Uwe Pröhl und Justus Reiff, einem Mitarbeiter der Firma hyCLEANER, mit der Hebebühne an Ort und Stelle gebracht, richtig platziert und schon geht es los. Ruhig zieht der Roboter seine Bahnen und verrichtet seine Arbeit. Umgesetzt werden muss er nur bei einem Spalt zwischen den Modulen. Bediener Uwe Pröhl freut sich über ein paar Tipps vom Hersteller, die seine Arbeit noch effizienter und schneller macht und Familie Meyer ist mit dem sichtbaren Reinigungsergebnis zufrieden. Die entstandenen Kosten von etwas über 1.000 € werden durch den Mehrertrag der sauberen PV-Anlage bald wieder hereingeholt.
„Wir sind dabei, den Einsatz immer weiter zu verbessern“, erklärt Steffen Rabe. Ein Wermutstropfen ist beispielsweise der hohe Kostenanteil für die Hebebühne, da diese pro Tag angemietet werden muss. Dies soll zukünftig durch das Zusammenfassen mehrerer Einsätze abgemildert werden. Einsatzpotential für den MR-Reinigungsroboter sieht Rabe nicht nur bei landwirtschaftlichen Dach-PV-Anlagen auf Ställen oder Maschinenhallen, sondern beispielsweise auch bei PV-Anlagen auf Supermärkten, Industrieanlagen und bei der Freiflächen-Photovoltaik: „Damit wollen wir dieses Jahr loslegen!“