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Magazin
Magazin Ausgabe 03/2023
03/2023
28. Juni 202128.06.21
Seminare zur humusaufbauenden Landwirtschaft: Womit anfangen?
Bundesverband der Maschinenringe e.V

„Meinen Ackerbau neu aufzustellen ist für mich mitentscheidend dafür, ob es mit der Landwirtschaft überhaupt weitergeht. Es ist eine Zukunftsfrage“ - was ein Teilnehmer bei der Vorstellungsrunde zum Seminar „Alternative Bodenbearbeitung“ hier formuliert, ist keine Einzelmeinung. Steigende Anforderungen durch Gesetzgebung und Gesellschaft, sinkende Wirksamkeit von Pflanzenschutzmitteln und zunehmende Wetterextreme sorgen für eine neue Entschlossenheit, was den Einstieg in neue Bewirtschaftungsmethoden angeht.

In Zusammenarbeit mit der Interessengemeinschaft Gesunder Boden (IG Boden) hat die Akademie der Maschinenringe im Herbst eine Reihe von Seminaren angeboten, um Basisinformationen zum Einstieg in eine humusaufbauende Landwirtschaft zu vermitteln: Was sind die wichtigsten ersten Schritte, welche Bodenbearbeitung hat sich bewährt, ist das Prinzip auch für konventionell arbeitende Betriebe umsetzbar?

Dabei ging es immer auch darum, zu einem ganzheitlichen Blick auf das eigene Ackerbausystem zu ermuntern. Es reicht nicht, den Pflug wegzulassen – es müssen vielmehr viele Schräubchen ineinander greifen, damit das Ideal eines humusaufbauenden, wenig arbeitsintensiven und Feuchtigkeit speichernden Ackerbodens erreicht werden kann.

Für das Maschinenring Magazin haben einige Teilnehmer des Seminars „Alternative Bodenbearbeitung“ unter der Leitung von Christoph Felgentreu zusammengefasst, warum sie mehr über die Vorgänge in ihrem Boden lernen wollen und was ihnen beim Einstieg in eine veränderte Bewirtschaftungsweise helfen würde.

„Mir ist es wichtig, dass die Teilnehmer im Seminar mitnehmen, dass die humusaufbauende Landwirtschaft ein umfassendes System ist. Mit dem Verzicht auf den Pflug ist es nicht getan, sondern es braucht viele Einzelmaßnahmen, die alle dafür sorgen, dass Biologie, Chemie und Physik im Boden ins Gleichgewicht kommen." - Josef Hägle, Referent beim Bodenseminar Landwirt und Lohnunternehmer, Maschinenring Schwandorf und Maschinenring Neustadt/Waldnaab .

„Ich möchte das Bodenleben in meinen Äckern in Schwung bringen. Es ist ja schon einleuchtend, dass es nicht des Rätsels Lösung sein kann, die Probleme im Ackerbau mit immer noch mehr Dünger und immer noch mehr Pflanzenschutz anzugehen. Wenn es Ideen gibt, stattdessen etwas Neues auszuprobieren, bin ich gern dabei. Deshalb war ich beim Bodenseminar und deshalb werde ich im kommenden Jahr auf ungefähr einem Drittel meiner Fläche mit Maßnahmen wie der Kinsey-Beprobung, Untersaaten, noch mehr Zwischenfrüchten und dem Testeinsatz von Striegeln starten. Mittelfristig finde ich das Cultan-Verfahren sehr spannend, da würde ich gerne auch mit meinem Maschinenring zusammenarbeiten. Der Ackerbau macht mir weiterhin Freude, aber trotzdem merke ich auch immer mehr, wie mir die Lust an der Landwirtschaft abhanden kommt. Die Vorgaben werden immer noch überzogener, es kommen immer neue, schlichtweg praxisuntaugliche Regelungen dazu, das frustriert einfach. Ein Beispiel: Wir haben im Bodenseminar gelernt, dass es für das Bodenleben falsch ist, Gülle und Mist in den Boden einzuarbeiten. Laut Düngeverordnung muss ich es also falsch machen. Da muss sich dringend etwas ändern, die Politik muss merken, dass es für uns Landwirte fünf vor zwölf ist.“ - Karl Abbt, Vollerwerbslandwirt (Kälberaufzucht, Bullenmast) Maschinenring Donauwörth

"Wir sind seit einigen Jahren dabei, Elemente aus der regenerativen Landwirtschaft in unseren Betrieb zu integrieren. Unsere Ziele sind die Verbesserung unserer Böden, wenig bis kein Einsatz von Pflanzenschutzmittel, Einsparung von Düngemitteln und gleichzeitig stabile und gute Erträge. Damit reagieren wir auch auf die steigenden Auflagen seitens des Gesetzgebers. Neben den zunehmenden Resistenzen sind aktuell die stetig steigenden Auflagen für Pflanzenschutzmittel unser größtes Problem. Gleichzeitig bereitet uns die neue Düngemittelverordnung Schwierigkeiten dabei, unsere Biogasanlage zu betreiben. Die regenerative Landwirtschaft hat Antworten auf viele drängende Fragen, aber es ist nicht einfach, sie umzusetzen. Es wäre wichtig, dass der Maschinenring in jeder Region zukünftig Berater anstellt, die bei Problemen weiterhelfen können und so den Start in die regenerative Landwirtschaft aktiv unterstützen." Markus Knauer, Vollerwerbslandwird (viehloser Ackerbau, Biogas, Maschinenring Aichach)

"Kaum noch Schnee im Winter, dafür zunehmend Starkregenereignisse und lange Trockenphasen sowie steigende Temperaturen – diese Veränderungen sind auch bei uns in der Region nicht mehr zu übersehen. Sie betreffen vor allem die Natur und hier ganz besonders den Boden. Als Landwirtin muss ich mich viel mehr als bisher um den Boden, seine Struktur und seine Mikrobiologie kümmern, damit dieser weder durch den Klimawandel noch durch die moderne Landbewirtschaftung Schaden nimmt. Humusaufbau ist in meinen Augen dabei ein Schlüsselelement. Deshalb setze ich in meinem Betrieb bereits auf vielfältige Zwischenfrüchte, den Anbau von Wicken im Getreide und möglichst wenig Bodenbearbeitung. Ich habe vor, Untersaaten im Getreide zu testen, damit gleich nach der Ernte grüner Bewuchs die Böden bedeckt. Die Maschinenringe müssen sich intensiv um diese Themen kümmern, denn es betrifft alle Landwirte. Neben Schulungen wie den Bodenseminaren können die lokalen Ringe vor Ort mit Infoabenden und Praxistagen unterstützen. Es gibt es eine Vielzahl an neuen und teuren Geräten für eine bodenschonende Bearbeitung und Saattechnik, zum Beispiel zur gleichzeitigen Ausbringung unterschiedlicher Korngrößen und Mengen. Hier kommt wieder die ursprüngliche Idee der Maschinenringe - die gemeinsame Techniknutzung - ins Spiel. Bei uns im Maschinenring Ansbach gibt es eine enge Zusammenarbeit mit dem AELF, der Landtechnikschule in Triesdorf und den regionalen Lohnunternehmern. Das hilft, um bodenschonende Technik zu den Landwirten zu bringen." - Renate Böhmländer, Maschinenring-Mitarbeiterin und Landwirtin im Nebenerwerb (viehloser Ackerbau) Maschinenring Ansbach

„Ich bin überzeugter konventioneller Landwirt. Trotzdem sehe ich, dass sich manches in die falsche Richtung entwickelt hat und immer noch entwickelt. Da kann es nur hilfreich sein, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Wir Landwirte neigen manchmal dazu, uns selbst in die Tasche zu lügen: Schuld sind dann meist die Umstände, aber selten die eigenen Entscheidungen. Ich denke, man muss dazu stehen, auch mal Fehler zu machen; gar nichts auszuprobieren ist sicher schlechter als auch mal Lehrgeld zu zahlen. Deshalb war ich auch beim Bodenseminar: um Ideen zu bekommen, was nach dem bisherigen Prinzip „saubere Flächen, tiefe Bodenbearbeitung“ kommen kann. Wir arbeiten in der Fruchtfolge bei der Sommergerste zur vorherigen Zwischenfrucht schon pfluglos. Das möchte ich ausbauen und auch Untersaaten ausprobieren, allerdings brauche ich dazu noch die passende Technik. Ich würde mich freuen, wenn gerade diese noch nicht so gängige Technik verstärkt über den Maschinenring verfügbar wäre. Es gibt ja Bio-Landwirte, die schon gut ausgestattet sind. Am wichtigsten ist es für mich, das Prinzip der humusaufbauenden Landwirtschaft noch besser zu verstehen. Ich möchte mit der detaillierten Bodenanalyse auf einigen Schlägen starten - aber es ist nicht so einfach, immer am Ball zu bleiben, weil oft die Zeit fehlt." - Valentin Kraus, Nebenerwerbslandwirt (viehloser Ackerbau) Maschinenring Wunsiedel

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