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13. Januar 202313.01.23
Smarte Spritze
Maschinenringe Deutschland GmbH

Maschinenring-Mitglied Helmut Lemberger nutzt den RumboJet auf seinen eigenen Flächen und unterstützt damit auch umliegende Landwirte bei der Wiesenpflege. 40 Milchkühe hält der Landwirt aus Eschlkam im Bayerischen Wald und möchte ihnen natürlich nur bestes Raufutter vorlegen. Ein Hindernis dabei ist der stumpfblättrige Ampfer. Er gehört zu den häufigsten und hartnäckigsten Unkräutern im Dauergrünland. Die Pflanze verdrängt nicht nur wertvolle Futtergräser, sondern hat auch negativen Einfluss auf die Konservierung und beeinträchtigt durch sekundäre Inhaltsstoffe die Tiergesundheit. FLÄCHIGE BEKÄMPFUNG IST VERBOTEN Die Bekämpfung des Ampfers erfolgt üblicherweise durch Flächenspritzung mit einer speziellen Wirkstoffkombination. Doch seit diesem Jahr ist in Bayern der duktion des angehängten Geräts mit einer Arbeitsbreite von 8,80 Meter. Die Technik basiert auf einer Bilderkennungssoftware während der Überfahrt und dem sofortigen gezielten Besprühen der Ampferblätter mit einem Herbizid. Das Scannen erfolgt durch Multispektralkameras, deren Sichtfeld LEDs gleichmäßig ausleuchten. Um die bei Arbeitsgeschwindigkeiten bis zu zehn Stundenkilometern die notwendige Bildauswertungsrate von 90 Aufnahmen pro Sekunde zu gewährleisten, arbeitet an jedem der sechs Geräteabschnitte separat ein komplettes Sensorpaket mit Kamera, LED und Jobrechner. Die Spritztechnik basiert auf der 600-Liter-Anbauspritze. Alle zehn Zentimeter ist an dem Spritzbalken eine einzeln über Magnetventile innerhalb von Sekundenbruchteilen schaltbare 20°-Flachstrahldüse von Lechler montiert. Verteilt auf die Arbeitsbreite von 8,80 Metern kommen 88 Düsen zusammen. Die Bauteile zur Erkennung und Bekämpfung des Ampfers sind vollständig mit Planen eingehaust. Dies sorgt für gleichbleibende Lichtverhältnisse im Sichtfeld der Kamera als Voraussetzung für eine präzise Detektion und verhindert zugleich eine Abdrift beim gezielten Sprühen des Pflanzenschutzmittels. Die Toleranz in Fahrtrichtung liege bei plus/minus drei Zentimeter. Auch die Wahl der Farbe Rot für die Umhausung sei kein Zufall. Denn die Bildauswertung stütze sich vor allem auf das reflektierte Licht im roten und dem für Menschen nicht sichtbaren infraroten Spektralbereich. Die Ampferblätter mit ihrer charakteristischen Größe und Kontur zeichnen sich dann besonders deutlich von anderen Blattformen wie etwa länglichem Gras ab. 90 PROZENT TREFFERQUOTE Allgäu Automation beziffert die Trefferquote bei der Einzelbekämpfung von Ampfer mit 90 Prozent. An Spritzmittel würden nur noch etwa zehn Prozent der bei einer Flächenbehandlung üblicherweise applizierten Menge von 200 bis 400 Liter pro Hektar benötigt. Dies kann Lemberger bestätigen, der den erworbenen RumboJet erstmals im September und Oktober vergangenen Jahres einsetzte. „Beim Bekämpfungserfolg würde ich sogar von 95 Prozent sprechen. Nach der Überfahrt finde ich eigentlich fast keinen Ampfer ohne benetzte Blätter“, merkt der Landwirt an. Das Unkraut komme wegen des enormen Samenvorrats zwar immer wieder zum Vorschein, aber man könne davon ausgehen, dass der Wiesennutzer nach einer Einzelpflanzenbehandlung für zwei oder auch drei Jahre seine Ruhe hat. Allerdings müssten dafür die Justiermöglichkeiten der Sensorspritze ausgeschöpft werden. So gelte es, bei den Voreinstellungen am Touch Display die Blattgröße des Ampfers zu beachten, um eine gute Abgrenzung zu anderen Pflanzen wie beispielsweise Löwenzahn zu erreichen. Im Herbst sei auf der Fläche liegendes Laub zu berücksichtigen. Wenn alles gut vorbereitet und eingestellt ist, schaffe er etwa fünf Hektar in der Stunde. EIN FALL FÜR DEN MASCHINENRING Der erfolgreiche Einsatz seiner Neuanschaffung zur Wiesenpflege blieb bei den Nachbarbetrieben nicht unbemerkt. Auch im Maschinenring Oberer Bayerischer Wald sprach man darüber. Es entwickelte sich eine Nachfrage. So zog der RumboJet im vergangenen Herbst auf insgesamt 200 Hektar Grünland anderer Landwirtinnen und Landwirte im Umkreis seine Bahnen. Zu ihnen gehört Maschinenringmitglied Conny Fischer. Die Milchbäuerin bewirtschaftet 40 Hektar Grünland. Auf der Hälfte der Fläche gab sie eine Ampferbekämpfung mit der Sensorspritze in Auftrag. „Das hat super funktioniert. Es ging schnell. Die Wiesen waren sauber. Und das mit einem Bruchteil der Spritzmittelmenge, die wir früher einsetzen mussten“, zeigt sich Fischer mit dem Ergebnis zufrieden. In diesem Jahr werde sie mit dieser Methode den Ampfer auf der anderen Hälfte ihrer Fläche bekämpfen, kündigt sie an. „Das Interesse an dieser Dienstleistung ist enorm“, bestätigt Lemberger. Es gebe mittlerweile mehr Anfragen, als voraussichtlich über die Saison zu bewältigen seien. BALD AUCH KREUZKRÄUTER 2021 fertigte Allgäu Automation nach eigener Information 16 RumboJets, die eine Fläche von insgesamt 6.500 Hektar bearbeiteten. Für dieses Jahr ist die Auslieferung von weiteren 20 Seriengeräten geplant. „Den Preis von 42.400 Euro werden wir aber wegen der stark steigenden Energie- und Rohstoffpreise wohl nicht halten können“, vermutet Geschäftsführer Andreas Breher. Er erzählt, dass der überbetriebliche Einsatz des Geräts von Anfang an im Blick der Entwickler war. „Nur so kommt man auf die nötige Auslastung“, so Breher. Er kennt den Maschinenring von klein auf, der elterliche Betrieb gehört zum Maschinenring Oberallgäu. Dort läuft inzwischen auch ein RumboJet 880. Inzwischen tüfteln die beiden Jungunternehmer an einer Verbesserung der Bildauswertungssoftware. Mit der Sensorspritze soll dann künftig auch eine punktuelle Bekämpfung bestimmter Korbblütler wie dem für Mensch und Tier giftigen Wasser-Kreuzkraut und Jakobs-Kreuzkraut möglich sein.

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