Für Carina Dünchem war die Übernahme des elterlichen Hofes wie eine Liebe auf den zweiten Blick. Sie lebt Landwirtschaft zwischen Umbruch und Tradition. Ihr Weg zurück in den Familienbetrieb war nicht vorgezeichnet.


Carina Dünchems Liebe zur Landwirtschaft benötigte einen zweiten Anlauf - heute leitet sie den Familienbetrieb jn Andernach. Fotos: Alexander Waas
Carina Dünchem aus Andernach steht mit beiden Beinen fest im Leben. Den einen Fuß im Feld, als Leiterin des landwirtschaftlichen Familienbetriebs, den anderen im weltweiten Netz, wo sie der digitalen Öffentlichkeit mit ruhiger Stimme und klaren Worten erzählt, was es bedeutet, Landwirtin zu sein. Sie führt einen Familienbetrieb, der seit Generationen besteht, und sie führt einen Dialog mit Zehntausenden, die ihr online folgen. Was sie antreibt, ist weit mehr als die Liebe zur Landwirtschaft. Es ist die Verantwortung, die sie tagtäglich lebt – für ihren Betrieb, für die Region und in ihrer Rolle als Betriebsleiterin in einem Berufsstand, dessen Bild die breite Öffentlichkeit oft missinterpretiert. Schon als Kind hilft sie ihrem Vater beim Kartoffelsortieren, begleitet ihn auf dem Traktor und lernt, dass der landwirtschaftliche Familienbetrieb kein Arbeitsplatz ist, den man nach Feierabend verlässt.
Der Weg zur Landwirtin verläuft bei Carina nicht geradlinig. Nach dem Abitur beginnt sie in Bonn zunächst ein Studium der Agrarwissenschaften, merkt aber schnell, dass ihr Fokus ein anderer ist. Sie steigt um, absolviert eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten und übernimmt auf dem elterlichen Betrieb die Buchhaltung. Später studiert sie Betriebswirtschaftslehre in Koblenz – ebenfalls bewusst in der Nähe des Hofes. Ihre Bachelorarbeit schreibt sie zum Thema Hofnachfolge. Ein Berufsjahr in Hamburg bestätigt der jungen Frau am Ende nur, was wohl schon immer in ihr schlummert, sich aber erst auf den zweiten Blick offenbart: Die Liebe für die Landwirtschaft, die frische Luft, die körperliche Arbeit, die Vielfalt an Tätigkeiten, die jeder Tag trotz seiner Routinen mitbringt. Carina kehrt zurück, legt die Berufsausbildung zur Landwirtin ab und steigt als Betriebsleiterin an der Seite ihres Vaters in die Verantwortung für den Hof der Dünchems ein.


Carina liebt die Landwirtschaft, die frische Luft, die körperliche Arbeit, die Vielfalt an Tätigkeiten, die jeder Tag trotz seiner Routinen mitbringt.
„Frauen gehen oft Umwege, weil sie sich eine Hofübernahme nicht zutrauen“, sagt sie. Die körperliche Belastung der Arbeit aber auch Themen wie die Zukunfts- oder Familienplanung ließen sie nicht selten zögern. „Ich wollte immer gerne selbstständig sein“, sagt Carina Dünchem. Ihre Eltern hätten ihr in ihren Entscheidungen immer viel Raum gelassen. Sie sorgen sich aber auch um die junge Frau und raten ihr: Mach dich nicht kaputt“, erzählt die Landwirtin.
Die junge Landwirtin steht für nachhaltige Landwirtschaft. Im Podcast „Boden&ständig“ des Landmaschinenherstellers Lemken spricht sie gemeinsam mit Co-Host Johannes Kisters über ihren Alltag, über Ernte, Bürokratie, Nachhaltigkeit, über den schwierigen Spagat zwischen analoger Hofarbeit und digitaler Öffentlichkeit. Am 2. April tritt hier auch der Maschinenring in Erscheinung. Gemeinsam unterhalten sich Carina Dünchem und Johannes Kisters dann mit Martin Gehring, dem Geschäftsführer des Bundesverbandes der Maschinenringe.
Boden&ständig - der Podcast für Landwirte von Lemken


Carina Dünchem versteht sich als Kommunikatorin, Mentorin, Vorbild. Sie erklärt, vermittelt, baut Brücken. Für Schulklassen öffnet sie ihre Hoftore, für Verbraucher beschreibt sie eindrücklich, wie Landwirtschaft funktioniert, und für die Politik formuliert sie klar, was Betriebe wie ihrer brauchen, um bestehen zu können. Das brachte ihr 2021 mit der Professor-Niklas-Medaille die höchste Auszeichnung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Julia Klöckner, die damalige Ministerin würdigt ihre „offene und moderne Information“ über die Landwirtschaft und ihren Beitrag zu mehr Verständnis und Wertschätzung in der Gesellschaft.
Online erreicht sie mehr als 73.000 Menschen, die ihr auf Instagram folgen, und nutzt ihre Präsenz, um Missverständnisse abzubauen und Wertschätzung zu schaffen. Ihr Herzensprojekt „Lebe Liebe Landwirtschaft“ ist keine Marke – es ist Haltung. Auf dieser Website und dem darauf befindlichen Blog lädt sie die User ein, Landwirtschaft nicht als Problem, sondern als Teil der Lösung zu begreifen.


Lebe - Liebe - Landwirtschaft ist für Kommunikatorin Carina Dünchem ein echtes Herzensprojekt.
Carina Dünchem packt an und erklärt. Das schätzt auch Maschinenring-Geschäftsführer Leonhard Schüller an ihr. In der Vorstandsarbeit sei sie eine echte Stütze des Maschinenrings Rhein – Ahr – Eiffel, übernehme gerne Verantwortung und sei ein Beispiel dafür Tradition zu leben und gleichzeitig neue Wege zu gehen. . „Die Carina hab ich als Baby schon auf dem Arm gehalten“, erzählt Leo Schüller, der Geschäftsführer des Maschinenrings Rhein – Ahr - Eiffel, in dessen Vorstandschaft sich Carina Dünchem seit Jahren engagiert.
Ihr Betrieb sei digitalisiert, strukturiert und klar geführt. Die Spezialisierung auf Saatgutvermehrung erfordere Präzision und Wissen, das Carina mitbringe und viel Erfahrung, die ihr Vater mit ihr teile. Eine Regelung für die Hofnachfolge oder Übergabe zu treffen, sei ein Prozess. „Drei bis fünf Jahre sind da nix“, sagt sie. Entscheidend sei dabei von Anfang an offen und ehrlich miteinander umzugehen. „Wir haben dazu von Anfang an alle mit an einen Tisch geholt“, beschreibt Carina Dünchem.


Carina Dünchem mit Partner Mathias Kill
„Carina gibt immer 110 Prozent“, sagt auch ihr Partner Mathias Kill aus der Nachbargemeinde Kruft. Mathias ist ebenfalls Landwirt und bewirtschaftet den Katharinenhof. Ihr fachliches Wissen sei beeindruckend. Carina hilft ihm bei der Betreuung der rund 1800 Freilandhühner, die auf dem Katharinenhof die Eier für die Hofläden des Landwirtspaares produzieren.
Auch im Hofladen ist Carina Dünchem Transparenz und Kontakt zu den Kunden wichtig. „Wenn Du die Leute da ein bisschen mitnimmst, schafft das Verständnis für unsere Arbeit“, sagt sie. Denn, Carina Dünchem lebt Landwirtschaft, sie liebt Landwirtschaft und sie erzählt Landwirtschaft, so ehrlich, dass man ihr nur zuhören kann.
Die gesamte Geschichte im aktuellen Magazin
Die ganze Portrait von Carina Dünchem gibt es in der Titelgeschichte der gedruckten Ausgabe 02/2026 des Maschinenring Magazins.
Das Maschinenring Magazin gibt es im Abonnement über den örtlichen Maschinenring. So können alle Mitglieder das regionale Rundschreiben direkt und zuverlässig zusammen mit dem Maschinenring Magazin beziehen und haben spannende Themen und alle wichtigen Infos auf einen Blick.