Du hast die URL erfolgreich in deine Zwischenablage kopiert!
ZurückZurück
Magazin
Magazin Ausgabe 04/2026
04/2026
29. September 202629.09.26

Mineraldünger aus Gärresten

Bundesverband der Maschinenringe e.V
weniger als eine Minute Lesezeit

Milchviehhalter Engelbert Friedlhuber aus Oberbayern gewinnt aus Biogas-Gärresten einen eigenen Stickstoffdünger. Sein Erfolgsmodell zeigt, wie Kreislaufwirtschaft, Gewässerschutz und Nährstoffeffizienz zusammenwirken können.

Mit feinen Dornen an den Walzrädern bringt Engelbert Friedlhuber den Nährstoff an die Wurzeln der Pflanzen. Fotos: Gunther Lehmann

Steigende Düngerpreise, strengere Auflagen und der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit beschäftigen viele landwirtschaftliche Betriebe. Engelbert Friedlhuber aus Babensham hat dafür eine eigene Lösung entwickelt: Er gewinnt aus den Gärresten seiner Biogasanlagen einen mineralischen Stickstoffdünger. Das Konzept gilt inzwischen als Vorzeigeprojekt. Doch der Landwirt warnt davor, seinen Weg einfach zu kopieren.

Kreislaufwirtschaft statt Düngerzukauf

Für Engelbert Friedlhuber begann alles mit einer Herausforderung: Die steigenden Mengen an Gärresten aus seinen Biogasanlagen mussten unter verschärften gesetzlichen Vorgaben sinnvoll genutzt werden. Statt Nährstoffe vom Hof zu fahren und gleichzeitig Mineraldünger einzukaufen, entschied er sich für einen anderen Weg.

Die Steuerung der ASL-Produktion ist komplex - der Landwirt hat alles Griff.

Mithilfe einer Vakuumverdampfung gewinnt er heute Ammoniak aus den Gärresten und verarbeitet ihn zu einer Ammoniumsulfatlösung (ASL), einem mineralischen Stickstoff- und Schwefeldünger. Gleichzeitig reduziert sich das Volumen der verbleibenden Gärreste deutlich.

Gewässerschutz als wichtiger Treiber

Neben der Düngebilanz spielte für den Oberbayern vor allem der Schutz von Wasser und Gewässern eine zentrale Rolle. Auf seinen Flächen liegen ein Bach und ein Fischweiher. Entsprechend wichtig ist für ihn ein möglichst verlustarmer Umgang mit Nährstoffen. „Unser Wasser ist das höchste Gut. Wir müssen so wirtschaften, dass die Wasserqualität stimmt“, sagt der Landwirt.

„Unser Wasser ist das höchste Gut. Wir müssen so wirtschaften, dass die Wasserqualität stimmt."
— Engelbert Friedlhuber
Landwirt
Die Fakten auf einen Blick
  • Engelbert Friedlhuber produziert aus Biogas-Gärresten einen mineralischen Stickstoffdünger (ASL).
  • Ziel war nicht die Düngervermarktung, sondern die bessere Nutzung betrieblicher Nährstoffströme.
  • Die Anlage reduziert Gärrestmengen und gewinnt wertvollen Stickstoff zurück.
  • Gewässerschutz und Nährstoffeffizienz waren zentrale Beweggründe für die Investition.
  • Der Dünger wird per Cultan-Verfahren direkt in die Wurzelzone eingebracht.
  • Die Wirtschaftlichkeit ergibt sich aus dem Gesamtsystem, nicht aus dem Düngerverkauf allein.
  • Hohe Investitionskosten und passende Rahmenbedingungen begrenzen die Übertragbarkeit auf andere Betriebe.
  • Die wichtigste Botschaft lautet: Stoffströme, Energie und Nährstoffe müssen gemeinsam gedacht werden.
Stickstoff direkt in die Wurzelzone

Der selbst produzierte Dünger wird nicht einfach ausgebracht. Mit einem speziellen Cultan-Tankwagen injiziert Engelbert Friedlhuber die Ammoniumsulfatlösung direkt einige Zentimeter tief in den Boden. Dadurch bleibt der Stickstoff dort, wo ihn die Pflanzen benötigen, und Verluste durch Abschwemmung oder Verflüchtigung werden reduziert. Nach seinen Erfahrungen profitieren die Pflanzen zudem von der gleichzeitigen Schwefelversorgung, die auf vielen Standorten zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Wirtschaftlich nur als Gesamtsystem

Trotz der großen Nachfrage nach seinem Dünger sieht Engelbert Friedlhuber die Anlage nicht als eigenständiges Geschäftsmodell. Die Investitionskosten liegen heute nach seiner Einschätzung bei bis zu 1,5 Millionen Euro. Hinzu kommen Infrastruktur, Energiebedarf und Wartung.

Sein wesentliches Fazit: Die Wirtschaftlichkeit entsteht erst durch das Zusammenspiel von Milchviehhaltung, Biogasproduktion, Wärmenutzung, Gärrestaufbereitung und Ackerbau. „Wer die Anlage nur baut, um Dünger zu verkaufen und Geld zu verdienen, der kann sie sofort abschalten“, sagt er.

Nicht jede Lösung passt auf jeden Betrieb

Genau deshalb versteht der Oberbayer sein System nicht als Blaupause für die gesamte Landwirtschaft. Die erforderliche Wärme stammt aus den eigenen Biogasanlagen, der Strom wird auf dem Betrieb erzeugt und die nötigen Gärrestmengen stehen dauerhaft zur Verfügung. Ohne diese Voraussetzungen sei eine vergleichbare Anlage kaum sinnvoll.

Die gesamte Geschichte im aktuellen Magazin

Die ganze Reportage über Engelbert Friedlhuber gibt es in der gedruckten Ausgabe 04/2026 des Maschinenring Magazins.

Das Maschinenring Magazin gibt es im Abonnement über den örtlichen Maschinenring. So können alle Mitglieder das regionale Rundschreiben direkt und zuverlässig zusammen mit dem Maschinenring Magazin beziehen und haben spannende Themen und alle wichtigen Infos auf einen Blick.

Mehr zum Thema Boden&Pflanzenschutz

Mehr Beiträge aus den Themenwelten
Teile jetzt diesen Artikel

ZurückZurück