Die Landwirtschaft war schon immer vom Wetter abhängig. Doch in den vergangenen Jahren hat sich die Situation spürbar verändert: Wetterextreme treten häufiger auf, fallen intensiver aus und stellen landwirtschaftliche Betriebe vor immer größere Herausforderungen. Starkregen, Hagel, Stürme, Überschwemmungen und langanhaltende Trockenperioden können innerhalb weniger Stunden Schäden verursachen, die die Arbeit eines ganzen Jahres gefährden.
Aktuelle Unwetterereignisse in Norddeutschland zeigen erneut, wie verletzlich landwirtschaftliche Kulturen gegenüber extremen Wetterlagen sind. Allein bei dieser Unwetterlage wurden nach ersten Schätzungen mehrere zehntausend Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche durch Hagel, Starkregen und Sturmböen beschädigt. Besonders betroffen waren Regionen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Kurz vor der Ernte sind solche Schäden für viele Betriebe kaum noch auszugleichen.
Wetterextreme können sich auf unterschiedliche Weise auf landwirtschaftliche Betriebe auswirken:
Starkregen
Innerhalb kurzer Zeit fallen große Niederschlagsmengen, die vom Boden nicht aufgenommen werden können. Die Folgen sind:
- Überflutete Felder
- Staunässe und Wurzelschäden
- Bodenverdichtungen
- Verschlämmung der Bodenoberfläche
- Verlust wertvoller Nährstoffe
- Erosion in Hanglagen
Besonders problematisch ist Starkregen während sensibler Wachstumsphasen oder unmittelbar vor der Ernte. Reifes Getreide kann umknicken, Qualitätsverluste sind häufig die Folge.
Hagel
Hagel zählt zu den größten Einzelrisiken im Pflanzenbau. Innerhalb weniger Minuten können ganze Bestände zerstört werden. Betroffen sind unter anderem:
- Getreide
- Mais
- Kartoffeln
- Raps
- Obst- und Sonderkulturen
- Weinbauflächen
Die jüngsten Gewitter in Deutschland führten teilweise zu Totalschäden in nahezu erntereifen Beständen. Experten berichten von Rapsfeldern, die nach Hagelschlägen aussahen, als wären sie bereits geerntet worden.
Sturm und Orkanböen
Starke Windereignisse können:
- Getreidebestände lagern lassen
- Folien und Gewächshäuser beschädigen
- Stallanlagen und Dächer beschädigen
- Bäume und Windschutzstreifen zerstören
Besonders gefährlich wird die Kombination aus Sturm, Starkregen und Hagel, wie sie bei sommerlichen Gewitterfronten häufig auftritt.
Dürre und Hitze
Nicht nur zu viel Wasser, sondern auch zu wenig Niederschlag stellt Landwirte vor große Herausforderungen. Längere Trockenperioden führen zu:
- Mindererträgen
- Futtermangel
- Bewässerungsbedarf
- Erhöhten Produktionskosten
- Qualitätsverlusten bei Kulturpflanzen
Die Kombination aus Hitzewellen und anschließenden Starkregenereignissen wird von Fachleuten als typische Folge eines sich verändernden Klimas betrachtet.
Unwetterschäden wirken sich nicht nur auf den aktuellen Ertrag aus. Häufig entstehen zusätzliche Kosten durch:
- Nachsaaten
- Bodensanierungsmaßnahmen
- Reparaturen an Gebäuden und Technik
- Erhöhten Arbeitsaufwand
- Futterzukäufe
- Ernteverzögerungen
Besonders problematisch ist, dass viele Schäden erst Wochen oder Monate später vollständig sichtbar werden. Qualitätsverluste bei Getreide oder Fäulnisschäden in Kulturen können die Wirtschaftlichkeit eines Betriebs erheblich beeinträchtigen.
Allein die jetzige Unwetterserie verursachte nach ersten Schätzungen Schäden in Millionenhöhe auf rund 50.000 bis 100.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche.
Ein vollständiger Schutz vor Extremwetter ist nicht möglich. Dennoch können Landwirte ihre Widerstandsfähigkeit erhöhen:
Bodenschutz stärken
Ein vollständiger Schutz vor Extremwetter ist nicht möglich. Dennoch können Landwirte ihre Widerstandsfähigkeit erhöhen:
Gesunde Böden können Wasser besser aufnehmen und speichern. Maßnahmen sind unter anderem:
- Zwischenfruchtanbau
- Humusaufbau
- Reduzierte Bodenbearbeitung
- Erosionsschutzmaßnahmen
Kulturen und Fruchtfolgen diversifizieren
Eine vielfältige Fruchtfolge reduziert das Risiko, dass einzelne Wetterereignisse den gesamten Betrieb treffen.
Moderne Wetter- und Warnsysteme nutzen
Digitale Wetterdaten und Frühwarnsysteme helfen dabei, auf drohende Unwetter schneller zu reagieren und Arbeitsabläufe anzupassen.
Hagel- und Mehrgefahrenversicherungen gewinnen angesichts zunehmender Wetterextreme an Bedeutung. Sie können finanzielle Risiken reduzieren und die Liquidität nach Schadensereignissen sichern.
Die Landwirtschaft steht vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits müssen Betriebe wirtschaftlich erfolgreich produzieren, andererseits steigt die Unsicherheit durch immer häufiger auftretende Wetterextreme. Schleswig-Holstein, Bayern, Niedersachsen oder Baden-Württemberg – betroffen sind längst nicht mehr nur einzelne Regionen. Extreme Wetterereignisse gehören zunehmend zum landwirtschaftlichen Alltag.
Umso wichtiger werden resiliente Anbausysteme, moderne Technik, vorausschauendes Risikomanagement und starke Partner an der Seite der Landwirte. Denn eines bleibt sicher: Das Wetter lässt sich nicht beeinflussen – der Umgang mit seinen Folgen jedoch schon.
Unwetter stellen die Landwirtschaft weltweit vor immer größere Herausforderungen. Starkregen, Hagel, Stürme und Trockenperioden können erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen und die Erträge eines ganzen Jahres gefährden. Wer frühzeitig auf Risikominimierung, Bodengesundheit, moderne Technologien und geeignete Absicherungsmaßnahmen setzt, stärkt die Zukunftsfähigkeit seines Betriebs und begegnet Wetterextremen besser vorbereitet.


