Leitern und Tritte gehören in vielen Unternehmen zur täglichen Arbeitsausstattung. Ob in der Industrie, im Handwerk oder in der Landwirtschaft - sie ermöglichen den sicheren Zugang zu höher gelegenen Arbeitsbereichen. Gerade weil sie so häufig genutzt werden, wird ihr Gefahrenpotenzial oft unterschätzt. Stürze von Leitern zählen jedoch nach wie vor zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfälle und können schwerwiegende Verletzungen nach sich ziehen.


Eine regelmäßige und fachgerechte Prüfung von Leitern und Tritten ist daher ein wichtiger Bestandteil des betrieblichen Arbeitsschutzes und hilft dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen und Unfälle zu vermeiden.
Leitern und Tritte sind im Arbeitsalltag hohen Belastungen ausgesetzt. Witterungseinflüsse, mechanische Beanspruchung, unsachgemäße Nutzung oder natürliche Materialalterung können die Sicherheit der Arbeitsmittel beeinträchtigen. Schäden bleiben dabei häufig unbemerkt, bis es zu einem Unfall kommt.
Zu den häufigsten Gefährdungen gehören:
- Abrutschen durch beschädigte oder abgenutzte Stufen
- Umkippen aufgrund mangelnder Standfestigkeit
- Materialermüdung, Risse oder Verformungen
- Fehlende oder beschädigte rutschhemmende Bauteile
Regelmäßige Kontrollen tragen dazu bei, diese Mängel frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen einzuleiten.
Die Verpflichtung zur Prüfung von Leitern und Tritten ergibt sich aus verschiedenen gesetzlichen und berufsgenossenschaftlichen Regelwerken. Zu den wichtigsten Grundlagen zählen:
- Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
- TRBS 1203 „Befähigte Personen“
- DGUV Information 208-016 „Handlungsanleitung für den Umgang mit Leitern und Tritten“
Arbeitgeber sind verpflichtet,
- sichere Arbeitsmittel bereitzustellen,
- regelmäßige Prüfungen durchzuführen oder durchführen zu lassen,
- die Prüfergebnisse zu dokumentieren und
- festgestellte Mängel unverzüglich zu beheben.
Vor jedem Einsatz sollte der Anwender die Leiter oder den Tritt auf offensichtliche Schäden kontrollieren. Dabei werden unter anderem folgende Punkte überprüft:
- Sichtbare Beschädigungen an Holmen oder Stufen
- Sicherer Stand der Leiter
- Verschmutzungen oder Verunreinigungen, die die Nutzung beeinträchtigen könnten
Diese Kontrolle dauert nur wenige Minuten und kann bereits viele Unfallrisiken verhindern.
Zusätzlich zur täglichen Sichtkontrolle müssen Leitern und Tritte in regelmäßigen Abständen geprüft werden. In der Praxis erfolgt diese Prüfung in der Regel mindestens einmal jährlich. Bei intensiver Nutzung oder besonderen Einsatzbedingungen können kürzere Prüfintervalle erforderlich sein.
Eine zusätzliche Prüfung ist notwendig, wenn besondere Ereignisse auftreten, beispielsweise:
- nach einem Sturz der Leiter,
- nach einem Arbeitsunfall,
- bei sichtbaren Beschädigungen,
- nach längerer Lagerung oder Außerbetriebnahme.
Eine systematische Prüfung umfasst verschiedene Bereiche, um die Betriebssicherheit umfassend zu bewerten.
Allgemeiner Zustand
- Sind die Holme gerade und frei von Rissen?
- Sind Stufen oder Sprossen vollständig vorhanden und fest verbunden?
- Gibt es Verformungen, Korrosion oder starke Abnutzungen?
Stand- und Kippsicherheit
- Sind die Leiterfüße intakt und rutschhemmend?
- Funktionieren Spreizsicherungen einwandfrei?
- Ist die Standfläche stabil und geeignet?
Sicherheitsausstattung
- Ist ein Rückenschutz vorhanden, sofern dieser erforderlich ist?
- Funktioniert das vorhandene Steigschutzsystem ordnungsgemäß?
- Sind Austrittsbereiche durch Geländer oder andere Schutzmaßnahmen gesichert?
- Sind Sicherheitskennzeichnungen vorhanden und lesbar?
Verbindungen und Beschläge
- Sind Schrauben, Nieten und Gelenke fest?
- Arbeiten Klapp- und Verriegelungsmechanismen ordnungsgemäß?
Kennzeichnung und Dokumentation
- Ist eine aktuelle Prüfkennzeichnung vorhanden?
- Sind Herstellerangaben und Belastungsgrenzen lesbar?
Eine lückenlose Dokumentation erleichtert zudem die Nachverfolgung wiederkehrender Schäden und unterstützt eine nachhaltige Instandhaltungsstrategie.
Dokumentation: Mehr als nur eine Pflicht
Die Dokumentation der regelmäßigen Prüfungen ist gesetzlich vorgeschrieben und bietet gleichzeitig wichtige Vorteile für Unternehmen. Sie schafft Transparenz, erleichtert die Nachverfolgung von Mängeln und dient im Schadensfall als Nachweis einer ordnungsgemäßen Prüfung.
Ein Prüfprotokoll sollte mindestens folgende Angaben enthalten:
- Inventarnummer oder eindeutige Kennzeichnung
- Datum der Prüfung
- Name der prüfenden Person
- Zustand des Arbeitsmittels
- Festgestellte Mängel
- Maßnahmen und Fristen
Viele Unternehmen setzen inzwischen auf digitale Prüfprotokolle oder standardisierte Checklisten, um den Prüfprozess effizient und nachvollziehbar zu gestalten.
Dokumentation: Mehr als nur eine Pflicht
Im Rahmen von Leiterprüfungen treten immer wieder ähnliche Mängel auf. Dazu gehören:
- Abgenutzte oder fehlende Leiterfüße
- Verbogene Holme
- Lockere oder beschädigte Sprossen
- Defekte Spreizsicherungen
- Fehlende oder abgelaufene Prüfkennzeichnungen
Werden solche Mängel festgestellt, sollte die Leiter umgehend außer Betrieb genommen und repariert oder ersetzt werden. Die Sicherheit der Beschäftigten hat stets Vorrang.
Die Prüfung von Leitern und Tritten ist ein wesentlicher Bestandteil eines wirksamen Arbeitsschutzes. Mit vergleichsweise geringem Aufwand lassen sich erhebliche Unfallrisiken reduzieren und gesetzliche Anforderungen erfüllen.
Unternehmen sollten daher klare Verantwortlichkeiten festlegen, regelmäßige Prüfintervalle definieren, Mitarbeitende für den sicheren Umgang sensibilisieren und die Dokumentation konsequent führen.
Denn eines gilt immer: Nur geprüfte Leitern sind sichere Leitern.
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Andreas Furkert
Fachkraft für Arbeitssicherheit / Vertrieb DienstleistungsProfi
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