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Magazin Ausgabe 02/2026
02/2026
1. April 202601.04.26

Sicher bauen auf dem Hof

Bundesverband der Maschinenringe e.V
weniger als eine Minute Lesezeit

Baustellen in der Land- und Forstwirtschaft bergen eine große Gefahr: das Risiko, dass ein Arbeitsunfall passiert, ist durchschnittlich doppelt so hoch wie bei anderen Tätigkeiten. Der Sicherheitstipp erklärt: Diese Anforderungen stellen Bauvorhaben in der Land- und Forstwirtschaft an die Betriebe.

Auf Baustellen in Land- und Forstwirtschaft ist das Risiko, dass ein Arbeitsunfall passiert, durchschnittlich doppelt so hoch wie bei anderen Tätigkeiten. Foto: Landpixel

Verantwortlich für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz aller Beteiligten ist der Bauherr. Plötzlich kommen zu den regulären Abläufen im Betrieb weitere, nicht alltägliche Prozesse dazu. Betriebsfremde Personen, zusätzlicher Verkehr mit großen Fahrzeugen, ständig wechselnde Arbeiter in den Gewerken. Planung, Organisation und auch die praktische Umsetzung machen die Belastung für die handelnden Personen groß.

Ein durchdachtes Sicherheitskonzept ist daher unverzichtbar, nicht nur zum Schutz der Arbeiter, sondern auch um einen reibungslosen Bauablauf zu gewährleisten. Die folgenden fünf Bereiche zeigen, worauf Betriebe besonders achten sollten.

Gefahren frühzeitig identifizieren

Bereits in der Planungsphase entscheidet sich, ob ein Bauprojekt sicher und dennoch effizient ablaufen kann. Dazu gehört aus Sicht der Arbeitssicherheit eine umfassende Gefährdungsbeurteilung, die typische Risiken wie Absturzgefahren, reizende Materialien oder beengte Platzverhältnisse berücksichtigt. Auch die Auswahl der Baupartner spielt eine zentrale Rolle: Nur qualifizierte Fachfirmen verfügen über das notwendige Know-how für Stallbauten, Maschinenhallen oder betriebliche Infrastruktur. Ein klarer und realistischer Zeitplan, abgestimmt auf saisonale Belastungen und Arbeitsspitzen des Betriebs, reduziert zusätzlichen Stress und minimiert das Risiko problematischer Entscheidungen.

MR-Sicherheitsexperte Martin Gehring

Bereits in der Planungsphase entscheidet sich, ob ein Bauprojekt sicher und dennoch effizient ablaufen kann.
— Martin Gehring
Klare Verantwortlichkeiten

Eine gut strukturierte Baustelle ist einer der wichtigsten Bausteine der Arbeitssicherheit. Dazu gehört eine eindeutige Festlegung der Zuständigkeiten und vor allem Verantwortlichkeiten: Wer ist Bauherr, wer ist Sicherheitskoordinator, wer hat wem gegenüber Weisungsbefugnis? Oft treten mehrere „Bauherren“ gegenüber den Firmen als verantwortliche Personen auf, solche Konstellationen können schnell zu großen Missverständnissen führen.

Eine klare Aufteilung der Baustelle an sich und des Umfelds, je nach Größe eine eindeutige Beschilderung, definierte Wege für Maschinen und Personen sowie abgetrennte Gefahrenbereiche sind essenziell. Im landwirtschaftlichen Umfeld sind oft Arbeitsbereiche des regulären Betriebsablaufs nicht abgrenzbar. Eine Besonderheit, die es in anderen Branchen im Regelfall gar nicht gibt, gehört in der Landwirtschaft ganz selbstverständlich dazu: Bauhelfer und Familienmitglieder sind mit in den Baustellenbetrieb integriert. Und der Altenteiler übernimmt gerne aus nächster Nähe die Bauaufsicht.

Daher kommt der regelmäßigen und inhaltlich zielführenden Sicherheitsunterweisung aller Beteiligten eine große Bedeutung zu. Gerade die Bauhelfer, aber auch externe Dienstleister müssen über betriebliche Besonderheiten und die aktuellen Gefahren auf der Baustelle informiert werden. Hat der Bauherr einzelne Tätigkeiten oder Gewerke komplett selbst übernommen, um diese in Eigenleistung zu erledigen, dann ist es seine Pflicht, diese Unterweisungen durchzuführen bzw. dafür zu sorgen, dass eine FaSi dies übernimmt. Ein kurzes tägliches „Safety Briefing“ bei der Morgenbesprechung hilft, Risiken aktuell zu bewerten und das Bewusstsein zu schärfen.

Eigene Maschinen sicher nutzen

Baustellen in der Land- und Forstwirtschaft weisen häufig eine hohe Maschinendichte auf. Die komplette Eigenmechanisierung kommt zum Einsatz, vom Traktor über Teleskoplader bei z.B. Erdarbeiten und der Baustellenlogistik bis hin zum zweckentfremdeten Rückewagen für Kranarbeiten. Der sichere Umgang mit diesen Geräten erfordert grundsätzlich geschulte Bediener und technisch einwandfreie Maschinen. Werden sie dann zusätzlich für Arbeiten verwendet, wofür sie nicht vorgesehen sind, steigt das Unfallgefahr stark an.

Besonderer Augenmerk liegt auf Arbeiten in der Höhe, etwa bei Dachsanierungen von Stallungen oder Hallen. Persönliche Schutzausrüstung wie Helme, Sicherungsgeschirre oder rutschfeste Schuhe muss vorhanden und konsequent verwendet werden. Improvisierte Arbeitsplattformen wie die Frontladerschaufel sind dafür komplett ungeeignet strikt zu vermeiden.

Gelände, Witterung und Naturgefahren

Im Wald oder an Hanglagen erhöhen zusätzliche Naturfaktoren das Risiko: Rutschige Böden, unvorhersehbare Windverhältnisse oder herabfallende Äste können zu schweren Unfällen führen. Vor Beginn der Arbeiten sind Gelände und Standorte sorgfältig zu prüfen.

Beim Errichten von Wegen, Lagerflächen oder Holzunterständen sollten praktikable und ausreichend großzügige Zugänge geschaffen werden, die auch bei Nässe sicher befahrbar bleiben.

Prävention und Dokumentation

„Wer schreibt, der bleibt.“ … nach wie vor hat dieser Spruch seine Bedeutung nicht verloren. Arbeitssicherheit entsteht nicht durch Einzelmaßnahmen, sondern durch eine konsequente betriebliche Sicherheitskultur. Regelmäßige Schulungen zu Absturzsicherung, Umgang mit Gefahrstoffen oder Arbeiten auf der Hebebühne sind unerlässlich. Ebenso wichtig ist die Dokumentation aller Sicherheitsmaßnahmen: Gefährdungsbeurteilungen, Prüfprotokolle und Unterweisungen schaffen Transparenz und schützen im Ernstfall auch rechtlich.

Jeder kennt solche Situationen: Beinaheunfällen (Near Misses), bei denen jeder hinterher froh ist, dass nichts passiert ist und man sagen kann: Glück gehabt! Solche Momente helfen, Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und Verbesserungen rechtzeitig umzusetzen. Und je hektischer es in Arbeitsspitzen zugeht, umso größer werden die Risiken, dass jemand zu schaden kommt.

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